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Ergänzungen zum Freud-Artikel
Artikel 01.06.04

von  Holger Göttmann

Ein nicht ganz unbekannter cthuloider Erforscher auf einer Couch in Wien.

 

Harvey Walters: Ihr ... Beherrscher. In seiner riesigen Stadt im Meer wohnt er. In riesigen Gebäuden von gigantischem Ausmaß. Wie große Basaltblöcke ragen sie in den Himmel. Aber es sind keine Basaltblöcke und kein Himmel, es ist unbeschreiblich, es ist ...

Freud: Wie war denn das Verhältnis zu ihrem Vater?

Harvey Walters: Äh ... nicht so gut, wieso fragen Sie?

Freud: Aha, da haben wir ja schon des Pudels Kern, mein lieber Herr Walters. Das, was sie träumen, das ist die Nachricht, die ihr Unterbewusstsein ihnen schickt. Dieser "Beherrscher" steht für ihren Vater und diese riesigen Basaltblöcke sind eindeutig ein Phallus.

Harvey Walters: Ein was?

Freud: Ein Phallus. Er steht dafür, dass sie gerne ihren Vater ertränkt hätten. Das Wasser wiederum steht für die Geborgenheit, die sie als Kind hatten, aber sie hassten ihren Vater. Daher kommen diese "Wesen" aus dem Wasser. Schwimmen sie denn gerne?

Harvey Walters: Wie? Ich? Äh ... nein.

Freud: Aha. Das dürfte also an einem Trauma liegen, das ihr Vater verursacht hat. Genauso, wie ihr Vater damals Macht ausübte, indem er sie in ein Taufbecken tränkte - na gut, er war es nicht selbst, aber immerhin auf seine Anordnung und das bemerkten Sie schon als Kind - wollen Sie jetzt in ihrem Traum einen ähnlichen Einfluss auf ihn ausüben, indem ihr Vater nun in einer riesigen Stadt zusammen mit seinem Phallus ertrinkt.

Harvey Walters: Aber ... aber ... er ertrinkt doch nicht. Er kann nicht ertrinken! Er schläft doch nur, er ist nicht tot!

Freud: Ja, jetzt kommen wir schon der Sache näher, Herr Walters. Für sie ist ihr Vater also immer noch nicht tot. Wie geht es denn der Frau, ihres Vaters, des "Beherrschers"?

Harvey Walters: Frau? Er hat keine Frau!

Freud (stutzt): So. Haben sie denn eine Frau?

Harvey Walters: Nein, dafür habe ich doch keine Zeit ... ich muss gegen ihn kämpfen. Kämpfen! Verstehen sie?

Freud (ein wenig verwirrt): Ah, aha. (notiert sich: Walters leidet unter starken Frauenproblemen, die wohl darauf beruhen, dass er als Kind seine Mutter kaum zu Gesicht bekam, was er seinem Vater anlastet.) So, sie müssen also gegen ... ihn ... kämpfen.

Harvey Walter: Ja, denn wenn die Sterne richtig stehen, dann kommt er wieder ... nicht nur er, sie alle.

Freud: Ihre Mutter auch?

Harvey Walters: Nein, verdammt! Sie haben keine Frauen!

Freud: Ja, und wie pflanzen sich diese "Meeresbewohner" denn dann fort?

Harvey Walters: Er selbst nicht und auch seine Brüder nicht. Aber, es gibt da andere ... glitschige ... eklige ... stinkende ... Wesen aus dem Wasser, die kommen und sich menschliche Frauen nehmen und mit ihnen dann eine Ekel erregende inzestuöse Nachkommenschaft erzeugen wollen.

Freud: Aha, wollen sie jemals Kinder haben?

Harvey Walters: Nein, aber was hat das damit zu tun?

Freud: Ach, nichts. (notiert: Walters hat einen Kinderkomplex.)

Harvey Walters: Aber ... aber ... sie missverstehen mich.

Freud: Nein, mit Sicherheit nicht. Ich denke, die Sache liegt klar auf der Hand.

 

 

Eine Auswahl wichtiger Begriffe bei Freud

 

Elektra-Komplex: Der Begriff Elektra-Komplex wurde von C.G. Jung eingeführt. Unter ihm versteht man den "Ödipus-Komplex von Mädchen". Dieser zeichnet sich durch den Wunsch des Mädchens aus, ein Kind vom Vater haben zu wollen. Gleichzeitig entwickelt das Mädchen eine Abneigung ihrer Mutter gegenüber. Häufig bleibt dieser Wunsch bis in die Pubertät bestehen und verliert sich erst durch die Ablösung des sexuellen Interesses am Vater bei gleichzeitiger Identifizierung mit der Mutter.

Es (id): Dieser Begriff taucht, in dieser Verwendung, zuerst bei Nietzsche ("Also sprach Zarathustra") auf und wurde später von Freud übernommen. Das Es ist Teil des psychischen Apparats von Freud. Das Es repräsentiert die Triebseite der Persönlichkeit, ist unbewusst und strebt nach einer unmittelbaren und vollständigen Ableitung der Triebenergie - das Es will sozusagen die Luft aus dem Ballon lassen.

Hysterie: Hysterische Menschen neigen zu theatralisch-demonstrativen Verhaltensweisen und fallen durch Überreaktionen auf (Krampfanfälle oder Erstickungs- und Lähmungsanfälle, in die sich die hysterische Person hineinsteigert). Während man heute weiß, dass Männer ebenso von Hysterie befallen sein können wie Frauen, wurde das Krankheitsbild in der Antike auf eine Erkrankung der Gebärmutter zurückgeführt, was sich in dem Wort "Hysterie" (griechisch: hystera = Gebärmutter) widerspiegelt. Freud sieht auch in der Gebärmutter den Grund für die typisch hysterische Frau der 20er Jahre.

Ich (ego): In der Psychoanalyse wird das Ich neben dem Es und Über-Ich als eine der drei Persönlichkeitsinstanzen des Menschen bezeichnet. Das Ich stellt ein System von bewussten und unbewussten Funktionen dar. Das Ich hat die Aufgabe zwischen den verschiedenen Erfordernissen der Außenwelt, den Triebwünschen des Es und den moralischen Forderungen des Über-Ichs zu vermitteln.

Neurose: Bei Freud ist die Neurose eine Bezeichnung für eine psychisch bedingte Gesundheitsstörung. Die Ursachen sind in der Kindheitsentwicklung verwurzelte seelische Konflikte.

Psychischer Apparat: Nach der Theorie Freuds besteht die Psyche des Menschen aus drei Schichten: das Unbewusste, das Vorbewusste und das Bewusste. Später modifizierte er sein Strukturmodell durch die Instanzen Es, Ich und Über-Ich.

Ödipus-Komplex: In Anlehnung an die griechische Sage von König Ödipus, der unwissend seine Mutter heiratete (nachdem er das berühmte Rätsel der Sphinx löste) und seinen Vater erschlug, führte Freud diese Bezeichnung in die Psychoanalyse ein. Der Begriff kennzeichnet bestimmte frühkindliche Beziehungen zu den Eltern. Diese Beziehung besteht bei Kindern aus entstehenden Liebesgefühlen und sexuellen Wünschen gegenüber dem gegengeschlechtlichen Elternteil in der ödipalen Phase. Beim Jungen ist dies der Wunsch die Mutter zu heiraten und den Vater als Konkurrenten umzubringen. Der Vater hingegen droht dem Jungen mit der Kastration (eine der schlimmsten Drohungen bei Freud), weswegen sich der Junge dem Vater unterordnen muss.

Über-Ich (super-ego): Begriff aus der Psychoanalyse, der neben dem Ich und dem Es als dritte Persönlichkeitsinstanz des psychischen Apparates des Menschen angenommen wird. Das Über-Ich vertritt die moralischen Maßstäbe, Werte und Einstellungen in der Persönlichkeit, die aus der Familie und Gesellschaft übernommen wurden.



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