Der neueste Band um die beiden Sprösslinge des Necroscopen Harry Keogh beginnt mit einem Rückblick auf Nestors Whampyri-Werdung (dieser Abschnitt wurde in den Vorgängern "übersprungen") und seinen Einzug in die Feste. Ob es das Erbe des Vaters ist oder eine andere dunkle Macht, jedenfalls setzt er sich ausserordentlich schnell unter den Whampyri durch und scheint sogar Lady Wratha zu beeindrucken. Bei allem Selbstbewusstsein muss er Acht geben, nicht zum Spielball von Intrigen zu werden; doch dabei könnte ihm zum Vorteil gereichen, dass ihn mancher der anderen Whampyri unterschätzt…
Die zweite Erzählebene schildert zunächst sehr kurz, wie es mit dem E-Dezernat weiterging, nachdem Harry damals durch das Tor von Perchorsk ging. Jahre später tut sich wieder etwas in Perchorsk und die russischen ESPer bitten Ben Trask und das E-Dezernat um Unterstützung. Jemand ist durch das Tor auf diese Seite gelangt und es scheint, als sei mit ihm ein Teil von Harry Keogh zurückgekehrt. Tatsächlich handelt es sich um Nathan Kiklu, den anderen Zwilling, Sohn von Harry…
Schön, dass wieder in die "reale" Welt und das E-Dezernat geblendet wird; es dürfte interessant werden, in den kommenden Bänden zu erleben, wie sich Nathan in "unserer" Welt so macht. Die Handlungsebene um Nestor füllt lediglich eine erzählerische Lücke aus den vorangegangenen Bänden; wie üblich sind die Schilderungen um die Whampyri sehr "detailreich". Dennoch hinterlässt "Vampirwelt" einen wenig sättigenden Eindruck beim Leser. Es wird wieder sehr deutlich, dass dies kein abgeschlossener Band ist, wie ihn Lumley so verfasst hat, sondern nur der erste Teil aus dem wesentlich dickeren Original-Wälzer. Aber dies ist der deutsche Necroscope-Leser ja schon gewohnt; entsprechend abgehärtet harrt er also dem Nachfolgeband und wetzt solange seine Zähne an diesem.
Insgesamt muss man sagen, dass die Saga in ihrer "neuen Ära" an Schwung gewonnen hat. Nichts gegen Harry, aber dieser quasi "Neuanfang" nach seinem Tod hat dem Ganzen doch sehr gut getan. Mal abwarten, ob Lumley wieder in alte Gewohnheiten verfällt oder diese neue Frische beibehalten kann.