Wie der Titel schon verrät, handelt es sich hier bereits um die zweite CD mit Horror-Soundtracks zum Einsatz in Rollenspielrunden, die im Envoyer-Verlag erscheint und die erneut von Marcel Schweder komponiert ist. Die erste Requiem-CD hatte allgemein nur verhaltene Begeisterung hervorgerufen; die vorliegende zweite Horror-CD macht es da jedenfalls deutlich besser.
Enthalten sind 18 Tracks mit zusammen über 73 Minuten; die CD ist also wieder voll ausgenutzt worden. Anders als beim ersten Teil sind hier wirklich ganz zentral Horror-Tracks zu finden, als stimmungsvolle Untermalung und zum Einsatz in Spielrunden, und keine Soundeffekte oder Geräuschkulissen mehr. Das tut dem Werk sichtlich gut.
Die ersten beiden Tracks sind über 18 bzw. über 13 Minuten lang, was eine sehr gute Idee ist, da der Spielleiter sie einfach laufen lassen kann und sich nicht ständig mit dem CD-Spieler statt mit seiner Spielrunde beschäftigen muß. Die Tracks sind allgemein gehalten und sorgen für beständige Spannung im Hintergrund, ohne ein besonderes Thema vorzugeben. Die folgenden 16 Tracks sind dann jeweils themenbezogen und nur wenige Minuten lang. Es handelt sich um:
Lockruf des Verderbens - eine klagende Frauenstimme begleitet von unheimlichem Hintergrund
In den Karpaten - mit Gitarren(?)begleitung; nachdenkliches Gezupfe; nicht unbedingt gruselig
In Londons Straßen - Big Ben und triumphale Empire-Hymnen; was macht das auf einer Horror-CD? Einziger vollkommen sinnloser Track auf der CD
Choral des Verderbens - ätherischer Gesang
Die versunkene Insel - düster und wassertropfend
Unirdische Laute - klingt stark wie außerirdische Planeten bei Captain Future, nicht wirklich unheimlich, eher etwas trashig
Das Namenlose Wesen - schnell und bedrohlich
Das Ding - eine tobende Monstrosität
Ouvertüre des Schreckens - eher wie ein Film-Soundtrack; nicht allgemein passend und eher exotisch als unheimlich
Ein weiteres Schicksal - eher nachdenklich als gruselig
Dämonenjäger - kämpferisch und entschlossen
Die Jäger schlagen zu - hektisch und voller Anspannung
Kulte - macht den Eindruck eines Mixes einiger der vorherigen Tracks
Ein grausiger Fund - erinnert zunächst einen Hauch an Alien
Der Kampf geht weiter - nervös, hektisch, lauernd
Finale - bedrohlich und einen Hauch martialisch; greift Thema vorheriger Tracks auf
Die CD ist insgesamt gut gelungen; der überwiegende Teil der Tracks weiß zu gefallen. Vor allem klingt der Sound, anders als bei der ersten Requiem-CD, nunmehr professionell und nicht mehr allzu nervig nach Synthesizer. Die Mischung von Tracks, die man im Hintergrund laufen lassen kann, und solchen, die man gezielt in Einzelsituationen einsetzen kann, überzeugt. Allerdings hat die CD auch eine potentielle Schwäche: sie ähnelt immer wieder mehr einem Film-Soundtrack als einer allgemein einsetzbaren, vielseitigen CD extra für Rollenspiele. Das liegt nicht nur in einem eingängigen Thema begründet, das in mehreren der Soundtracks auftaucht, auch sonst machen die Tracks hin und wieder den Eindruck, als habe sich der Künstler damit als Soundtrack-Komponist empfehlen wollen. Das ist nicht schlecht und die CD ist ja auch gelungen, aber bei einer Rollenspiel-CD würde ich zumindest Stücke erwarten, die ich universell einsetzen kann und die nicht die Variationen und den Wiedererkennungseffekt eines Film-Soundtracks haben.
Diese erste Einschätzung wurde im praktischen Einsatz der CD untermauert. Meine Spieler fanden die Tracks oft zu speziell komponiert, so daß sie eher nervten, als die Situation unterstützen. Sie fanden auch, daß die langen Stücke nicht geeignet waren, eine unheimliche Atmosphäre aufzubauen, da sie zu sehr ablenkten. Zwar hielten sie die Stücke für technisch gelungen und gut gemacht, aber nur bedingt nützlich für die Förderung einer Horror-Atmosphäre. Erläuternd darf ich hinzufügen, daß ich traditionell Musik im Horror-Rollenspiel einsetze und meine Spieler daher durchaus Musikeinsatz gewohnt sind und beurteilen können. Letztlich ist dies aber nur das Meinungsbild in meiner Spielrunde - je nach konkret gespieltem Abenteuer und Veranlagung von Spielern und Spielleiter mag es gut sein, daß die CD fabelhaft zur Unterstützung des Spiels wirkt. Gut gemacht ist sie in jedem Fall.
Ob man wirklich 12,50 EUR dafür ausgeben will - muß jeder selbst entscheiden. Angesichts der geringen Herstellungskosten einer CD ist es etwas schade, daß auch im Preisgünstig-und-Spielerfreundlich-Label "Envoyer" eine solche Scheibe nicht als Schnäppchen zu haben ist.