Das Cover von "The Book of Dark Wisdom #2" (DW) ist im Vergleich zur #1 gestalthaltiger und für ein Fanzine recht ansprechend in Farbe gehalten.
Zuerst ein Blick auf die Rubriken, wie sie sich in DW #2 darbieten. Dustin Wright von Chaosium nimmt in "Reflections from Leng" das Chaosium-Missionar-Programm unter die Lupe, also das Werben neuer Spieler durch Spieldemonstrationen. Wünschen tut man es ja speziell Chaosium, dass es wieder aufwärts geht.
In "Dark Library" wird die okkulte Fotosammlung von Charles Leewood und "The Book of Untold Sins" vorgestellt. Letzteres übt einen gewissen Zwang aus, eigene Sünden hineinzuschreiben, um dann neue Sünden zu begehen und diese wieder in das Buch zu schreiben. Ein erschreckender Teufelskreis.
Sir James Horton, ein Mediziner, findet seinen Auftritt in "Strange Beings". Er entwickelt eine Methode, Erinnerungen aus Hirnextrakt zu lesen als er von den Mi-Go kontaktiert wird.
In "Relics" erfahren die "Tears of Tindalos" eine nähere Untersuchung. Eine Träne von Tindalos ist ein Edelstein, der auf Hunde von Tindalos wie ein Leuchtfeuer wirkt. Wer im Besitz eines solchen Steines ist, zieht unweigerlich die Aufmerksamkeit eines Hundes von Tindalos auf sich. Ebenfalls in "Relics" werden die Schicksalskarten vorgestellt. Es handelt sich dabei um besondere Tarotkarten, die es erlauben mit Hilfe der Fertigkeit "Read Tarot" Aussagen über die Zukunft zu machen, wenn auch vage. Sollten die Charaktere einmal einen Wahrsager aufsuchen, lassen sich diese Karten zur Anwendung bringen. Vielleicht lässt sich auch ein Abenteueraufhänger konstruieren.
Soweit zu den festen Rubriken; nun zu den anderen Inhalten. "What Rough Beast Comes" ist eine kurze grafische Erzählung, die dieAufmerksamkeit schon mit ihrem Erstauftritt auf sich zieht, deren Güte jedoch erst im weiteren Verlauf beurteilt werden kann, wenn sie sich in weiteren Teilen entfaltet hat.
"Shadows by the Fireside" handelt von einer unvorhergesehenen Begegnung. Es geht darin um einen alten Mann, der in einer verhexten Version des Devil'™s Dictionary liest und dessen Schatten ein Eigenleben zu haben scheint. Diese Begegnung lässt sich gut in eine laufende Kampagne einfügen, ohne dass diese mit der Kampagne verbunden sein muss.
Im zweiten Teil von "A Federal Case: An Examination of the FBI" geht mit der interessanten und informativen Reihe mit den Jahren 1924-40 weiter. J. Edgar Hoover übernimmt das Bureau of Investigation und reformiert es. Das BOI nimmt den Kampf gegen kriminelle "Helden" wie John Dillinger und Alphonse "Scarface" Capone auf. Aus dem BOI wurde später die Division of Investigation, dann das Federal Bureau of Investigation (FBI). 1936 werden wieder vermehrt Gegenmaßnahmen gegen kommunistische und faschistische Gruppierungen unternommen. "Monsters and their Kynde" ist der erste Teil in einer dreiteiligen Reihe, in der Monster vorgestellt werden, die z.T. noch in Chaosium-Publikationen erscheinen, z.T. aber nur in DW aufgeführt werden. Auffallend sind bei den zwölf Wesen die guten Abbildungen. "Mrs. Bentley's Coloring Books" ist eine originelle Begegnung. Mrs. Bentley hat Malbücher mit einem Zauber belegt, der Kindern beim Malen Magiepunkte entzieht und will mit diesen gesammelten Magiepunkten Cthulhu beschwören.
"The Demons of Hithfenn" ist ein 17seitiges "Cthulhu Dark Ages"-Szenario und spielt in Northhumbria, England, im Jahr 1005. Ein Kult hat die Pocken in dem Dorf Hithfenn verbreitet, wobei nur die Kultmitglieder in Gegenmittel besitzen. Zusätzlich kursieren Gerüchte über Dämonen, die in den nahe gelegenen Hügeln hausen sollen. Für die Charaktere beginnt nun ein Wettlauf mit der Zeit, um das Gegenmittel gegen die Pockenplage herzustellen. Das Szenario ist geeignet, in die mittelalterliche Welt von "Cthulhu Dark Ages" bzw. "Cthulhu 1000 AD" einzuführen. "Mind-blanked Yith Agent" ist eine alternativer Beruf. Es werden teilweise und komplette Erinnerung an Vorleben und Zeit unter der Kontrolle eines Angehörigen der Grossen Rasse vorgestellt.
"Program of the Elder Gods" ist der zweite und letzte Teil der Cthulhu-Kurzgeschichte, die zu einem fulminanten, aber auch etwas wirren Ende (vielleicht Absicht?) kommt. Die Necronomicon-Schriftrolle entpuppt sich als etwas ganz anderes - Cthulhu hat seine eigenen Pläne. Ansonsten gibt es noch ein Editorial, die Vorstellung des Cthulhaiku-Wettbewerbs, ein kryptografisches Rätsel samt Auflösung und kurze Gedichte.
Fazit: Die #2 von DW ist m. E. noch etwas besser als die #1; auch weiß das Titelbild mehr zu gefallen. Auch für die #2 gilt, dass man gar nicht genug ungewöhnliche Begegnungen, Wesen, Bücher und Artefakte haben kann, um etwas Abwechslung in eine Kampagne zu bringen. Die #2 hat 90 Seiten, die #1 noch 66 Seiten. Das sind 24 Seiten, also 36% mehr Umfang und das zum gleichen Preis. Das Magazin ist allerdings im (in etwa) A5-Format gehalten. DW #2 kann man für 6 Euro inklusive Porto bei www.tradetalk.de bestellen.