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Im Haus der Kröte
Literatur 25.05.05

von  Ingo Ahrens

James Kerrick ist eine Art Indiana Jones – er raubt archäologische Relikte und verkauft sie über einen Mittelsmann an wohlhabende Sammler, denen diese exklusiven Funde einiges wert sind. Ein besonders guter Kunde ist der unheimliche Mr. Wassermann, der in Kerricks Heimatstadt und darüber hinaus einen lukrativen Handel mit Pornographie und okkulten Büchern betreibt – ein Manifest letzterer Art stammt sogar aus seiner eigenen Feder. Für ihn beschafft Kerrick zuletzt aus Mexiko einige Artefakte und verbringt, von seinem Auftraggeber eingeladen, einige Tage in seiner alten Heimat. Allerdings plagen ihn schon seit längerem seltsame Träume, in denen er aktiv einer Art Inka-Opferungszeremonie beiwohnt, bei der eine Frau getötet wird, die seiner einstigen Jugendliebe fast aufs Haar gleicht. Argwohn gegenüber seinem Auftraggeber erwacht in ihm spätestens nach der ersten Nacht in dessen Haus, und auch andere Kreise scheinen sich für ihn zu interessieren. Mr. Wassermann umgeben mehr Geheimnisse als Kerrick bisher ahnen konnte, nach und nach enthüllt sich eine ungeahnte Gefahr, die von diesem Mann, seinem Kult und letztlich den Relikten ausgeht, die er selbst für ihn fand…

 

"Im Haus der Kröte" ist ein weiteres Beispiel dafür, dass die Essenz lovecraftschen Horrors sich in aller Regel nur sehr unzureichend auf längere Erzählungen und Romane übertragen lässt. Üblicherweise kommt in ihnen nicht jene faszinierende Stimmung auf, die sich mit Kurzgeschichten und Novellen im Umfeld des Cthulhu-Mythos erreichen lässt, so auch in diesem Roman. Tierney hat hier einen Abenteuerroman verfasst, der sich ausgiebig des Mythos bedient, einer Atmosphäre des Horrors jedoch selten eine Chance lässt. Die Handlung ist eher pulpig (im klassischen Sinne) und überrascht nur den Leser nur selten bei ihrem Fortgang, trotz einiger interessanter Ideen, die Tierney dem Mythos hinzufügt. Geschrieben ist das ganze durchaus gekonnt und zielstrebig; rein technisch gibt es grundsätzlich nichts zu meckern. Das Auftauchen einer Mythosbekämpfenden Geheimorganisation gegen Ende lässt vermuten, dass der Autor hier gerne noch einige Fortsetzungen folgen lassen wollte (selbige wären mir allerdings nicht bekannt, ich habe aber auch nur kurz recherchiert). Insgesamt hinterlässt mich der Roman mit eher zwiespältigen Eindrücken – zum einen kompetent und durchaus spannend geschrieben, zum anderen eine zu beliebige, austauschbare Einbindung des Mythos. Zweifellos gehört dieser Roman in "H. P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens", aber ist er satte 24 EUR wert? Für diesen Betrag gibt es weitaus interessantere Bücher zu kaufen, so dass es sicher beim "Haus der Kröte" um einen Pflichtkauf nur für Sammler handelt.


Im Haus der Kröte
H. P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens 15
Richard L. Tierney
Festa-Verlag 2004, 24,- EUR
Hardcover, 400 Seiten


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