Pegasus Spiele OnlinePegasus Spiele ShopPegasus PressPegasus Spiele GmbHRingbote - das Online MagazinPegasus MediaPegasus Spiele SupportteamPegasus Spiele Kontakt
 
 
  
 




 









 

Cosmogenesis
Literatur 12.09.07

von  Ingo Ahrens

In der Reihe "Edgar Allan Poes Phantastische Bibliothek" erschien bereits 2005 diese Neuauflage einer einst nur im Privatdruck erschienen Geschichtensammlung des Autors. Die Texte wurden für diese Ausgabe überarbeitet und ergänzt, einzelne Geschichten entfielen während neue hinzukamen. Cosmogenesis ist nämlich das, was man in der Musik wohl ein "Konzeptalbum" nennen würde. Zentraler Ort und Gegenstand, das Zentrum auf das alles letztlich zurückführt, ist die fiktive Stadt Cathay, ein Ort des Verfalls, Wahnsinns und der Mystik, ein Schmelztiegel aller Kulturen und Zeitalter, bevölkert von Exilanten, Verrückten und Verstörten. Den Geschichten ist zueigen, dass sie erst in der Gesamtheit betrachtet den Blick auf das Konzept "Cathay" eröffnen und einzeln oft nur Bruchstücke sind, die ohne den Kontext rätselhaft bleiben. Andersherum verliert Cathay auch bei Gesamtbetrachtung seine Rätselhaftigkeit nicht, was seinen Teil zur Faszination der Stories und des Buches beiträgt.

 

Ohne auf einzelne Geschichten einzugehen sei gesagt, dass es hier meist um klassische (besonders im Sinne von Poe) Themen geht, sprich Dekadenz, Wahn, innere Zerrissenheit und morbide Neugier, um nur ein paar Stichworte zu nennen. Die Protagonisten sind oft auf die eine oder andere Weise gequälte Seelen, die Erlösung ist trügerisch und in einer Stadt wie Cathay kann dies ohnehin nicht gut ausgehen.

 

Fraglos klingt dies nach "intellektuellem Horror" und sicher keiner Mainstreamkost. Verglichen etwa mit dem vom Rezensenten zeitgleich bearbeiteten Werk "Dunkle Gestade – Abgesang" von Quentin S. Crisp zeigt sich dabei ein großer Unterschied in der stilistischen Qualität. Verschießt Crisp eine Metapherwolke nach der anderen, um Tiefsinnigkeit vorzutäuschen (erfolglos), so schafft es Kleudgen ohne große Umschweife, eine anachronistische Atmosphäre aufzubauen, mit klarer Stimme ohne allzu viel sprachlichen Firlefanz. Man kommt beim ersten Lesen aber nicht umhin zu mutmaßen, dass mit dieser gelungenen fantasievollen Stimmung eine konzeptionelle Ziellosigkeit übertüncht wird. Die durch den Klappentext geschürte Erwartungshaltung der Offenbarung eines "großen Plans" hat sich zumindest für den Rezensenten nicht erfüllt. Möglicherweise bedarf es hier mehrmaligen Lesens, um die einzelnen Fäden selbst besser verknüpfen zu können (denn das nimmt einem der Autor nur selten ab) und so zum Aha-Erlebnis zu gelangen. So jedoch wirken manche Geschichten ziellos, was mitunter durch ein unbefriedigendes, abruptes Ende bestätigt wird; wie ein verflixt gut erzählter Witz ohne Pointe. Das ist schade, gehört aber vielleicht zum gesamtkünstlerischen Konzept. Durchschnittsleser wird das unbefriedigt und ratlos zurücklassen, wer eher kopflastigere Literatur mag wird es danken.

 

Handwerklich gibt es, von den beschriebenen dramaturgischen Problemen abgesehen, wenig zu bemängeln. Kaum ein überflüssiges Wort, keine unnötigen Abschweifungen, präzise Satzbauten – man merkt, dass hier ein erfahrener Autor am Werk war. Kleudgen, Mitbegründer und Texter der Goth-Rock-Band "The House of Usher", hat sich zweifellos seine Nische gesucht, auch mit seinem Beitrag zu den bekannten "Schwarzen Führern" aus dem Eulen-Verlag und die Kooperation mit anderen Autoren wie Uwe Vöhl (der auch ein Nachwort verfasst hat). Anders als etwa Crisp verschließt Kleudgen sich dabei glücklicherweise nicht völlig dem, sagen wir mal, "nicht-ganz-so-dauerdeprimierten" Leservolk (jene Leute, die nicht im Lebenslauf als Hobby/Soft Skill „Melancholie, Nihilismus und Todessehnsucht“ angeben *Klischee! Klischee!*), ist also um einiges zugänglicher. Auch wer nur ab und zu der düsteren Seite des Daseins zugewandt ist, wird mit Cosmogenesis seine Freude haben – und sicher öfter als nur einmal in das verdorbene Cathay eintauchen, um einen weiteren Versuch zu unternehmen, ihm seine Geheimnisse zu entreißen…


Cosmogenesis
Jörg Kleudgen
Blitz-Verlag 2005, 335 Seiten, 9,95 EUR
ISBN 3898409252


< zurück zu Cthuloide Welten


 
 


Ergebnisse:

Aktuelle Umfrage

Bisherige Umfragen


04.11.11
Rezension: Kingsport

„Kingsport – Alpträume im Nebel“ ist ein weiterer Band aus der Lovecraft Country Reihe, welche mit A...

> mehr

03.05.11
Rezension: Berge der Wahnsinns Bd.3

Mit „Der dunkle Turm“ geht die großangelegte Cthulhu Kampagne um die „Berge des Wahnsinns“ zu Ende. ...

> mehr

14.01.11
Rezension: Berge der Wahnsinns Bd.2

„Die geheimnisvolle Stadt“ heißt der Mittelteil der großen Kampagne um die „Berge des Wahnsinns“. Di...

> mehr

02.12.10
Rezension: Berge der Wahnsinns Bd.1

Die „Berge des Wahnsinns“ sind nicht nur eine der bekanntesten Erzählungen von H. P. Lovecraft, sond...

> mehr

23.11.10
Rezension: Wien - Dekadenz und Verfall

Wasserspeier, Friedhofsstatuen, Kirchen und Tischdeckenmuster aus den Kaffeehäusern gruppieren sich ...

> mehr

13.10.10
Cthuloide Welten #19 erschienen

132 Seiten, Softcover, 9,95 Euro.

> mehr

13.09.10
Rezension: New York - Im Schatten der Wolkenkratzer

„New York – Im Schatten der Wolkenkratzer“ erscheint in der schon gewohnt hervorragenden Aufmachung ...

> mehr

16.07.10
Zwei Rezensionen: Innsmouth satt

Sturm auf Innsmouth

Innsmouth - Küstenstadt am Teufelsriff

> mehr

18.03.10
Neue Inhalte unter Spielhilfen

Materialien für CW18 jetzt zum Download verfügbar.

> mehr

15.03.10
Vorschau: Cthuloide Welten #18

132 Seiten, Softcover, 9,95 Euro.

> mehr