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Cthulhu Dark Ages
Cthulhu engl. 10.10.04

von  Marcus Johanus

Um ehrlich zu sein: Ich bin zwar ein großer Fan von Cthulhu in anderen Settings als den 20ern. Aber das Mittelalter hat mich als Spielwelt nie wirklich gereizt. Trotzdem habe ich mich auf Cthulhu Dark Ages gefreut, denn es ist immerhin das erste Cthulhu-Buch, das seinen Weg von Deutschland nach Amerika geschafft hat - und nicht umgekehrt, wie es sonst üblich ist.

 

Die hervorragende deutsche Version, Cthulhu 1000 A.D., dürfte allen deutschen Cthulhu-Spielern bekannt sein, weswegen ich inhaltlich zu dem Band nicht viel schreiben muss und stattdessen auf die Rezension von Günther Dambachmair auf dieser Website verweise. Also: Was ist neu und anders an der Chaosium-Version des Bandes?

 

Zunächst einmal ist Cthulhu Dark Ages im Gegensatz zu Cthulhu 1000 A.D. ein eigenständiges Spiel und kein reines Quellenbuch oder Abenteuer: Auf rund 50 Seiten werden die Cthulhu-Regeln zusammengefasst und auf die für das Mittealter wesentlichen Faktoren zusammengestrichen. Dieser Teil ist meiner Ansicht nach hervorragend gelungen. Bleibt nur die Frage, warum Chaosium diesen Regelteil nicht in nur leicht abgeänderter Form einfach auch in die parellel erschienene Neuauflage der Traumlande getan hat.

 

Beim Lesen des abgespeckten Regelteils fallen mir ein paar Änderungen auf, die ich sehr gelungen finde, wie beispielsweise das Punktesystem zur Generierung von Attributen, das meiner Meinung nach dem Auswürfeln vorzuziehen ist. Auch die Bewegungsregeln sind klarer und besser ausgearbeitet als im normalen Cthulhu-Regelwerk. Leider fehlt in diesem Buch das bislang verwendete Dual-Stat-System für d20-Werte. Offenbar hat sich Chaosium von diesem viel versprechenden Ansatz bereits verabschiedet, obwohl der Verlag ihm meiner Meinung nach nie eine richtige Chance gegeben hat. Das ist bedauerlich, denn das Quellenmaterial in Cthulhu Dark Ages wäre bestimmt auch für d20-Spieler interessant gewesen, da es in der Form wie es hier präsentiert wird, meines Wissens nach für dieses System noch nicht bearbeitet wurde.

 

Außerdem fällt mir noch die Aufbereitung des Mythos für das Mittelalter im Vergleich zur deutschen Ausgabe auf. Hier wird der Mythos geschildert, wie ihn ein mittlelalterlicher Mensch wahrnehmen würde. Ein sehr gelungenes Kapitel. Absoluter Bonus: Die Illustrationen von Mythos-Wesen gehören zu den besten und stimmungsvollsten, die ich je gesehen habe und schlagen Vergleichbares aus allen anderen Chaosium-Büchern um Längen - und auch die Bilder der Pegasus-Ausgabe. Außerdem ist das Kapitel im Vergleich zum Pegasus-Band wesentlich umfangreicher. Aber das muss es auch sein, denn immerhin ist Cthulhu Dark Ages ja ein Stand-Alone-Band, der den Besitz des Cthulhu-Grundregelwerks nicht voraussetzt, wie sein deutsches Gegenstück.

 

Der Rest des Bandes unterscheidet sich nur in eher unbedeutenden Details von der deutschen Vorlage. So fällt beispielsweise das Grimoire ein wenig ausführlicher aus, aber alle Veränderungen lassen sich damit begründen, dass Cthulhu Dark Ages vieles aus dem Grundregelwerk reproduzieren muss, das Cthulhu 1000 AD als bekannt voraussetzt. Auch das Abenteuer unterscheidet sich nicht von dem in der deutschen Ausgabe. Ein kleines, aber merkwürdiges Detail: Das Layout wurde zwar von deutschen Pegasus-Publikationen übernommen, aber nicht das Layout von Cthulhu 1000 AD, sondern das der regulären 1920er-Bände. Damit beweist Chaosium wieder einmal ein mangelndes Gespür für Layoutfragen. Zumindest in meinen Augen wirkt das unstimmig.

 

Sehr erfreulich ist hingegen, dass die Qualität der Handouts von der deutschen Ausgabe übernommen wurde. Hier hat Chaosium ausnahmsweise mal nicht auf die computergenerierten Schriftstücke zurückgegriffen, sondern die Dokumente per Hand anfertigen lassen - nebenbei bemerkt: von den Kostja Kleye, der auch die Handouts der deutschen Ausgabe gestaltete.

 

 

Das Fazit für Cthulhu Dark Ages:

 

Ein merkwürdiger Band, der weder Fisch noch Fleisch ist. Wer die deutsche Ausgabe besitzt, hat eigentlich keinen Grund, sich den amerikansichen Band zuzulegen. Nur ein wahrer Fan wird Cthulhu Dark Ages wegen des abgespeckten und in kleineren Details vom Grundregelwerk abweichenden Regeln und den neuen Illustrationen haben wollen. Für alle anderen bietet der Band nichts Neues - mal abgesehen von zwei, drei Bildern von Mythos-Wesen.



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