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That Darn Squid God
Literatur 01.09.04

von  Frank Heller

Vorweg sei bemerkt, dass es sich hier streng genommen nicht um einen Cthulhu-Roman handelt. Allerdings hat der Tintenfischgott (Squid God), um den sich das Buch dreht, doch frappierende Ähnlichkeit mit dem Großen Cthulhu, so dass wir das Buch hier vorstellen.

 

Wir befinden uns in London im viktorianischen Zeitalter. Die Gaslicht-Zeit, und überdies ist es nicht "unser" London, sondern eines aus einer Parallelwelt, in der es Sherlock Holmes wirklich gibt und die Venusianer die Erde auszulöschen versucht haben.

Professor Felix Einstein hat herausgefunden, dass demnächst die Erde untergeht. Da er dies nicht hinnehmen will, sucht er den Erforscher-Club auf, um Mitstreiter zur Rettung des Planeten zu finden. Diese sind allerdings mehr damit beschäftigt, ein mutmaßliches Modell der Arche Noah zu untersuchen, das sie jüngst entdeckt haben. Nach mehreren Komplikationen, in deren Verlauf so einiges im Club zu Bruch geht, erklärt sich der junge Lord Carstairs bereit, den Professor zu unterstützen.

Weitere Nachforschungen ergeben, dass Kultisten den enormen Tintenfischgott auf die Erde bringen wollen, der seit Urzeiten existiert und einst aktive Verehrung genoss. Dies wollen die beiden Briten dringend verhindern. Ständig gejagt von mordlüsternen Kultisten begeben sie sich nach Italien und schiffen sich Richtung Orient ein. Leider kommen sie dort nicht an, dafür finden sie sich auf dem Spukschiff des Fliegenden Holländers wieder. Nachdem sie diesen erlöst haben, gelangen sie in eine Parallelwelt, die Heimat des Tintenfischgottes. Hier begegnen sie Fabelwesen und richten absichtlich oder unabsichtlich einiges an Unheil an. Ein magisches Buch versorgt den Professor mit Krone und Schwert von Alexander dem Großen und den Lord mit einer tragbaren modernen elektrischen Gatling Gun. Mit diesen Waffen ausgestattet richten sie im Tempel des Tintenfischgottes ein Blutbad an, töten Tausende von Kultisten. Schließlich kommt es zum Duell des Professors mit dem Hohepriester. Doch es ist zu spät, der Tintenfischgott erscheint in London und beginnt, in Godzillamanier in der Stadt zu wüten. Die Armee hat keine Chance, doch schließlich besinnen sich unsere Helden auf eine venusianische Kriegsmaschine, die bei ihnen in der Garage steht...

 

Das Buch ist nett geschrieben; der englische Sprachstil der Epoche wird von den Autoren erfolgreich imitiert, was durchaus Unterhaltungswert hat. Das erste Kapitel ist schon gleich ein Höhepunkt; die Beschreibung des viktorianischen London, des Erforscherklubs, alles ist getroffen und weiß zu gefallen. Die Episode um die Arche Noah ist ein großer Spaß. Leider, leider kann der Roman das Niveau nicht halten. Er versucht witzig zu sein, aber die meisten Witze sind ausgesprochen vorhersehbar oder platt. Er versucht spannend zu sein, ist aber nur eine Aneinanderreihung von Begegnungen, die nach Intention der Autoren wohl lustig sein sollen. Gut, sie sind amüsant, aber rissen den Rezensenten eher selten vom Hocker.

Vieles an dem Buch ist sicher Geschmacksfrage. Der Fliegende Holländer ist ein Stilbruch, eine Parallelwelt noch mehr, und das Niedermähen von Kultisten mit einer Gatling Gun durch einen englischen Gentleman des 19. Jahrhunderts finden bestimmt einige sehr lustig, den Rezensenten vermochte es aber nur mäßig zu erheitern.

Nach dem hervorragenden ersten Kapitel, aufgrund dessen sich das Buch gut anzulassen schien, war der Rezensent insgesamt eher enttäuscht. Ein nettes Werk sicherlich, ausreichend unterhaltsam und amüsant, aber es fehlten das Mitreißende, der geniale Witz, die es aus dem Mittelmaß herausgerissen hätten.

 

Als Fazit lässt sich festhalten: wer die eher trashige Thematik mag und dazu noch Gaslicht-Fan ist sollte zugreifen, alle anderen überlegen sich besser, ob sie so viel Geld für das Buch ausgeben wollen.


That Darn Squid God
Nick Pollotta & James Clay
Englisch
Gebundene Ausgabe - 292 Seiten - Wildside Press
ISBN: 1592240976
US $ 24,95


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