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Horror on the Orient Express - Music CD
Sonstiges 30.03.06

von  Günther Dambachmair

In Zeiten wie diesen, wo jeder erfahrene Spielleiter auch das Amt des Toningenieurs übernimmt und Musik als stimmungsförderndes Mittel immer beliebter geworden ist, ist die Nachfrage nach geeigneten Soundtracks für Rollenspiele vermehrt gestiegen. Viel wird ja angeboten, bei manchen Produkten allerdings stellt der Hörer des Öfteren eine gewisse Rollenspielfremdheit fest, um es etwas vornehm auszudrücken. Umso erfreulicher, wenn man feststellen muss: mit der vorliegenden CD „Horror on the Orient Express“ verhält es sich zum Glück keineswegs so. Immerhin hat ja sogar Chaosium diese CD offiziell abgesegnet.

Alex Otterlei, eingefleischten Fans bekannt als Komponist frühester Rollenspiel- und Filmsoundtracks, hat mit der Musik zur großen Cthulhu-Kampagne „Horror im Orient-Express“ ein sehr gelungenes Tonalbum geschaffen. Schon mit dem ersten Titel findet man hier ein sehr gelungenes eindrucksvolles Titelthema, das später in den anderen Tracks in kleinen Variationen wieder auftaucht. Die Einprägsamkeit eines Titelthemas ist ein nicht zu unterschätzendes Stilmittel fürs Rollenspiel, das hier meisterhaft gelöst wurde: eine einprägsame Melodie, die dramatisch anschwillt, auf das Spiel einstimmt und dazu auch noch ins Ohr geht. Mit diesem Track „Arrival of the Orient Express“ ist jedenfalls schon mal ein guter Grundstein gelegt.

Die anderen Stücke wissen ebenfalls zu überzeugen. Es gibt einige erholsame Musiktitel, die das Leben in den Waggons des Luxuszuges untermalen („Welcome Aboard“, „At the Salon“, „A Drink, Sir?“) und in eingängiger Weise das Flair des gehobenen Reisen ins Ohr bringen: erholsame Musik, zarte Instrumente, Walzertakte und Foxtrott, leicht swingend wie die 1920er Jahre – gerade recht, um den Investigatoren ein paar Punkte Stabilität regenerieren zu lassen...

Aber da gibt es dann auch noch die bedrohlicheren Tracks: von der „kopflosen Lady“ bis hin zum Geheimnis im Gepäckwagen. Und wenn man dann an das „Tor der Hölle klopft“ und dem „Namenlosen Ungetanen“ gegenübersteht, dann vermittelt die Musik ebenfalls die passende Stimmung. In diesen Tracks gibt es charakteristische Spannungsmusik, die dosiert eingesetzt an den Nerven der Spieler zerren sollte, dazu die düster-unheimlichen Passagen, die gerade recht dazu passen, wenn das Grauen sich erhebt.

Auch das kleine Booklet soll erwähnt werden, es ist recht stimmungsvoll angelegt, und zu jedem Musiktitel findet sich eine kleine Episode aus der Sicht von Investigatoren, so dass auch der Nichteingeweihte einen kleinen Hintergrundeinblick bekommt.

Der einzige Makel, den man finden könnte, ist es, dass manche Tracks fast ein wenig kurz sind. Doch dies kann man mit Endloswiedergabe lösen. Ebenfalls vermisst habe ich ein wenig Folkloremusik über die Länder, in denen die Spieler Station machen - aber das wäre eigentlich eine eigene CD wert.

Wie auch immer: wer die Orient-Express-Kampagne spielt, dem sei diese CD vorbehaltlos empfohlen. Aber auch die anderen Cthulhu-Spielleiter können nahezu bedenkenlos zugreifen: ein schönes packendes Titelthema, Musikuntermalung für Hotels oder gehobene Empfänge und Diners, dazu Spannungs- und Bedrohungsmusik – ein sehr schöner, gelungener und brauchbarer Soundtrack und auf jeden Fall eine Bereicherung fürs cthuloide Soundarchiv.


Horror on the Orient Express - Music von Alex Otterlei
Musik-CD für das Cthulhu-Rollenspiel, mit 16seitigem Booklet
18 Musiktitel, Gesamtspielzeit ca. 45 Minuten,
A.O.Music 2005, € 14,99
www.Pegasusshop.de


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