Bei diesem Band aus der "Bibliothek des Schreckens" handelt es sich um die deutsche Ausgabe des "Xothic Cycle" aus der Mythos-Fiction-Reihe von Chaosium. Insgesamt zwölf Geschichten aus Lin Carters Feder sind enthalten, jede mit einem überaus informativen Vorwort von Robert Price versehen (dem ursprünglichen Herausgeber), das sich mitunter auch sehr kritisch mit der jeweiligen Story auseinandersetzt und Zusammenhänge verdeutlicht. Qualität von Druck und Einband sind wie üblich sehr gut, Druckfehler halten sich in Grenzen, das Titelbild ist nicht außergewöhnlich, aber gut.
Die Geschichten schwanken in ihrer Qualität doch sehr und nur wenige in diesem Band stechen wirklich hervor. Zu stark ist einfach der Eindruck, hier einen Lovecraft-Kopisten am Werk zu sehen, der sich des Vorbilds Stilmittel bedient, jedoch ohne die eigentliche Essenz dessen, was die Wirkung von und das Grauen in HPLs Geschichten ausmachte. Zu viele der Geschichten ergehen sich in Aufzählungen der bekannten Mythoswerke und diverser Gottheiten. War dies bei Lovecraft meist wohl platziert und sparsam genug, um Furcht vor diesen (beinahe) "unnennbaren" Dingen zu erzeugen, sind sie bei Carter eben alles andere als unnennbar, und allgegenwärtig. Carters Bemühen, den Mythos weiterzuentwickeln, und seine offensichtliche Begeisterung für Derleths Zuweisung der Gottheiten zu den vier Elementen haben manchmal doch eher akademischen Charakter, als dass sie gute Geschichten bilden.
Was gefällt, sind die mitunter wiederkehrenden Namen, Personen und Ereignisse, die mehrere Stories miteinander verbinden, mal mehr, mal weniger lose. Das kann allerdings nicht kaschieren, dass sie häufig immer nur dasselbe wieder und wieder durchkauen. Einzelne Perlen jedoch zeigen, dass Carter sehr wohl in der Lage war, wirklich gruselige Geschichten zu erzählen. Schade, dass er sich zu wenig darauf besonnen hat, statt auf "technische Details" des Cthulhu-Mythos, wie es das Vorwort auch sehr schön als Achilles-Ferse benennt.
Ob man die Geschichten nun mag oder nicht, Lin Carter hat mit ihnen einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zum Cthulhu-Mythos geleistet, ja, sogar einen größeren und vor allem wertvolleren als Derleth. Lovecraft-Puristen, die im Mythos nur das sehen, was HPL selbst erschuf, mögen Zeter und Mordio schreien und übersehen dabei, dass es ihr Idol selbst war, der zur Fortführung dieses Mythos aufrief. Genau dies hat Carter getan, nicht mehr und nicht weniger. Hätte er es nur etwas schauriger und abwechslungsreicher getan...
Doch gerade durch die Zwiespältigkeit bei der Betrachtung der Geschichten dieses Bandes passt dieser wunderbar in die "Bibliothek des Schreckens", ist diese Reihe doch ein Querschnitt all dessen, was Lovecraft schuf und ihm nachfolgte. Gerade für Cthulhu-Rollenspieler ist Carter eben interessant, weil viele seiner Erweiterungen am Mythos Eingang in den Spielhintergrund fanden. Mit diesem Band haben sie also Gelegenheit, den Ursprung einiger dieser Ergänzungen nachzulesen.