„Zeitlose Ängste“ ist im Rahmen der „Cthuloide Welten Bibliothek“ erschienen, er fügt sich von der Aufmachung her nahtlos in die bereits erschienen Bände ein. Das Layout ist professionell und schön gemacht (es beginnt im Übrigen ein neues Mythoswesen auf dem Buchrücken), da braucht man nicht viele Worte darüber verlieren. Vier Abenteuer erwarten den Spielleiter in diesem Band. Wie eingangs erwähnt, spielen sie in verschiedenen Epochen.
Der erste der Abenteuer, „Daoloths erster Schleier“ von Peter Schott ist ja noch recht klassisch gehalten. Es spielt in den 1920ern in Berlin. Die Grundidee des Abenteuers ist extrem interessant: wer immer schon mal wissen wollte, wie nicht-euklidische Gesetze oder die absurde Geometrie wirklich aufgebaut ist, der kommt hier auf seine Kosten. Ein Abenteuer für alle angehenden Physiker, Mathematiker und Naturwissenschaftler, die hier besten Spielspaß haben werden.
Das zweite Abenteuer, „Last Man Standing“ von Ingo Ahrens verlässt nun bereits die 1920er Jahre und spielt in den 1930ern in den USA. Hier schlüpfen die Spieler in die Rolle von gesuchten Gangstern, was sicherlich einen Traum mancher Spieler verwirklichen dürfte. Dass aber auch Männer mit Maschinenpistolen und Frauen mit Derringern ihre Probleme haben, wenn sie mit dem Mythos konfrontiert werden, das wird man hier bald herausfinden. Das Abenteuer bietet viele Möglichkeiten zum Rollenspiel und gefällt auf jeden Fall sehr gut.
Abenteuer Nummer drei, „Vom Winde verwest“ von Peer Kröger spielt in den 1950er Jahren, und auch diese Geschichte spielt gekonnt mit den Klischees dieses Jahrzehnts und des Genres. Die Spieler sind hier nämlich in Hollywood Darsteller von billigen B-Movies, und wer glaubt, dass solche Filme wie „The 4D-Man“ oder „Curucu, Beast of the Amazon“ schon schlimm genug sind, der wird hier bald eines Besseren belehrt. Dieses Abenteuer gefällt vor allem durch die Atmosphäre der Filmstudios und der B-Movies. Auch hier werden vorgefertigte Charaktere zur Verfügung gestellt, die natürlich den Archetypen der glücklosen Schauspieler der 1950er entsprechen.
Das vierte und letzte Abenteuer, „Cold War“ (eine Übersetzung des „The Unspeakable Oath“ Szenarios von David Aniolowski) spielt in der Jetztzeit. Auch dieses Abenteuer ist als One-Shot konzipiert, und hier spielen die Spieler Kultisten, was ebenfalls einem uralten Spielertraum entgegenkommen wird. Ganze acht vorgefertigte Kultisten-Charaktere warten hier auf die Spieler, das zwar mit weniger Spielern auch spielbar ist, aber seinen völligen Reiz entfaltet, wenn alle Beteiligten vorhanden sind. Das Abenteuer gibt lediglich ein Ereignis vor, das die Kultisten zum Handeln anspornt, dann lebt es von den freien Interaktionen der Spieler. Aus diesem Grund ist diese Geschichte auch vortrefflich als „Halb-Live-Rollenspiel“ spielbar: die Spieler sollen durchaus sich etwas der Rolle gemäß ausstatten (coole Sonnenbrillen, Aktentaschen usw.) und dann miteinander diskutieren und agieren. Die Geschichte um einen ungeklärten Mord, eine feindliche Kultistengruppe und eine gegnerische Ermittler-Crew (also das, was normalerweise die Spieler selbst sind) verspricht auf jeden Fall beste Rollenspielunterhaltung, wenn man engagierte Spieler hat, denen das Rollenspielgenre schon vertraut ist.
Summa summarum sind die vier Abenteuer in dem Band prima. Es macht sich auch gut, dass drei davon One-Shot-Abenteuer sind, denn damit hat der Spielleiter schnell mal eine Geschichte bereit, die man abseits laufender 1920er-Kampagnen an ein, zwei Spieleabenden durchspielen kann. Für einen fairen Preis noch dazu, und das ist schließlich auch eine Stärke dieser Abenteuerbände aus der Reihe Cthuloide Welten Bibliothek.