So wie das „Necronomicon“ von Abdul Alhazred das wichtigste Buch für den Kultisten ist, so ist das „Necronomicon“ von Pegasus das wichtigste Buch für den Cthulhu-Spielleiter. Kein Wunder, Bücher sind wichtige Bestandteile bei allen Geschichten von H. P. Lovecraft und auch im Cthulhu Rollenspiel ist die Fertigkeit Bibliotheksnutzung ist wohl eine der am häufigsten gebrauchten im Spiel. Das Necronomicon Quellenbuch ist daher sehr rasch vergriffen gewesen, jetzt aber hat Pegasus dieses stimmungsvolle Quellenbuch in der zweiten Auflage wieder heraus gebracht. Inhaltlich unverändert, aber mit dem neuem Layout und mit den ausgemerzten Errata der ersten Auflage.
Thema des Necronomicons sind Bücher der Mythos. Vom „Liber Ivonis“ bis zu den „Unaus-sprechlichen Kulten“ spielen Mythosbücher nicht nur eine Rolle in den Händen finsterer Kultisten, auch die Augen mancher Spieler leuchten auf, wenn sie im Spiel an solche fiktiven Folianten gelangen können. Dieser Quellenband widmet sich all diesen okkulten Werken, beleuchtet sie von mehreren Seiten, erzählt ihre Entstehungsgeschichte, listet Nachdrucke und Übersetzungen auf und gibt die spielrelevanten Werte dazu an. Darüber hinaus bietet dieses Quellenbuch aber etliches mehr: es liefert eine Unmenge Vorschläge und Spielhilfen, wie die Geheimnisse staubiger Folianten stimmungsvoll im Spiel umgesetzt werden können. Die Zeiten, wo der Spielleiter nach einer Lektüre eines Mythosbuches dem Spieler mitteilt: „Du ver-lierst x Punkte geistige Stabilität und erhältst x % Punkte Cthulhu-Mythos dazu“ dürften da-mit der Vergangenheit angehören.
Die Aufmachung von Pegasus’ Necronomicon (das im Übrigen als kleiner Gag in der Auflis-tung der Übersetzungen ebenso aufscheint) ist auch in der zweiten Auflage ein optischer Ge-nuss: schon das schwarz gehaltene Cover mit stilisierten Buchbeschlägen weckt Erwartungen, und jede Menge fotografischer Aufnahmen von alten Büchern und liebevoll gestaltete Seiten mit Textauszügen sind kopiert auch als Handouts verwendbar. Das Buch ist übersichtlich gegliedert in die Kapitel Bedeutende Mythosbücher (die zentralen Werke), Weitere Mythosbü-cher (ergänzende Werke) und Okkulte Bücher (zumeist solche wo zwar Wissen vermittelt wird aber ohne Zauber oder ohne den wahren Hintergrund). Zusätzlich gibt es noch sehr in-formative Abschnitte über die Entstehung von Buch und Schrift, über Geheimschriften und eine Anleitung, wie man einen stimmungsvollen altertümlichen Buchtext erstellt. All dies ist für den Spielleiter sehr nützlich zur Handoutgestaltung und zur Vertiefung seines Hinter-grundwissens.
Das Necronomicon ist noch immer die umfangreichste Sammlung und Auflistung aller Bücher, die mit dem Cthulhu-Mythos zu tun haben. Man hat schon bei der Erstellung sämtliche Rollenspielpublikationen durchforstet und nur ganz wenige unpassende weggelassen. Für den Spielleiter hilfreich ist aber nicht nur die Auflistung der bibliophilen Werke, es finden sich bei den zentralen Werken des Mythos auch immer abschließende Bemerkungen, wie sich das Lesen des Buches auf den Spielercharakter auswirkt. Diese Beschreibungen machen schnell klar, dass richtige Mythosbücher viel zu schade sind, um sie mal kurz nebenbei als Informati-onslieferant auftauchen zu lassen: ein altes Mythosbuch hat es immer derart in sich, dass es verdient, selbst im Zentrum einer Kampagne zu stehen.
Die Buchbeschreibungen nehmen naturgemäß einen großen Teil des Necronomicon aus, aber es folgen noch einige andere interessante Artikel. In einem eigenen Kapitel werden verschie-dene Artefakte vorgestellt, die man aus den Rollenspielpublikationen zusammen gesammelt hat. Hier findet sich die Tarnkappe der Nub’lenk’hi aus dem Abenteuer „Siegfriedslust“ eben-so wie das Sedefkar-Simulakrum aus der „Orient-Express“ Kampagne. Neben den Artefakten finden sich auch Vorschläge für deren Einbauung in kleine Szenarien oder Kampagnen.
Zum Abschluss werden noch ein paar neue Zauber und Rituale vorgestellt und die Bücher zwecks schnellem nachschlagen in einer übersichtlichen Tabelle aufgelistet.
Mit dem Necronomicon in der zweiten Auflage ist diese eigentlich unverzichtbare Spielhilfe endlich wieder erhältlich. Besitzer der Erstauflage brauchen nicht wechseln, es sei denn aus Sammlergründen. Alle anderen, die das Necronomicon noch nicht ihr eigen nennen, ist die Anschaffung wärmstens empfohlen. Nirgendwo anders hat man die Werke des Mythos so informativ in solch gebündelter Form vorliegen.