Ihre Spieler sind ausgehungert und möchten wieder einmal ein deftiges Abenteuer zu sich nehmen? Kein Problem mit diesem kleinen Rezept für einen zünftigen "Szenario-Eintopf":
Man nehme: "The stars are right!" - dabei handelt es sich um eine englischsprachige Abenteuersammlung. Der Band kommt im gewohnten Gewand (amerikanisches Format; Sofcover) daher und zählt stattliche 176 Seiten. Aus dem guten Hause Chaosium Inc. verpackt im Jahre 2004, also eine noch recht frische Sache. Aufgewärmt wurden allerdings ein paar der Abenteuer, handelt es sich doch bei "The stars are right!" bereits um die zweite Auflage (Erstauflage anno 1992). Doch auch Besitzer der alten Edition können getrost zugreifen, denn es wurden zwei zusätzliche Szenarien integriert und natürlich wurden die Regeln an die neueste Version angepasst, so dass kein fahler Beigeschmack entsteht.
Damit wagen wir auch schon einen genaueren Blick auf die Zutatenliste:
"The stars are right!" ist eine Sammlung von insgesamt neun Szenarien, die entweder einzeln gespielt oder mit ein wenig Arbeit in laufende Kampagnen integriert werden können. Die Abenteuer sind für Cthulhu Now konzipiert - sie spielen also in der Gegenwart oder der nahen Zukunft. Wie bei der Erstauflage ist den neun Abenteuern ein kleiner Aufsatz angehängt "When the Stars Came Right Again", der den Abenteuern in diesem Band zu zusätzlicher Würze verhelfen kann.
"The stars are right!" startet mit dem Szenario "Love's Lonely Children", von Richard Watts, in dem man in eine Welt aus "drugs, sex and rock and roll" gezogen wird und einen Blick in menschliche Abgründe wagt. Es spielt in einer großen Stadt - je nach Wahl und Bedarf des Spielleiters - und die Spieler werden sich am Ende mit einer Manifestation des Großen Alten Y'golonac konfrontiert sehen. Umfang: 17 Seiten, 2 Handouts, ein Grundriss.
"Nemo solus sapit" - oder für die nicht-Lateiner: "Niemand allein ist weise", von John Tynes, konfrontiert die Spieler mit postmodernem Kannibalismus und einem durchgeknallten Psychiater, der gerne ein wenig "experimentiert". Ort: die fiktive Stadt Samson in Kalifornien (erstmals erwähnt in "At Your Door" von Chaosium), Umfang: 18 Seiten, 2 Grundrisse, eine Karte.
Bei "This Fire Shall Kill", von André Bishop, gilt der allseits beliebte Spruch "vertraue niemandem...". Schauplatz ist San Francisco. Es geht um unerklärliche Morde, einen finsteren Plan und um den Kult um Cthugha. Der Name des Szenarios ist Programm und daher werden gleich zusätzliche Regeln für die Umsetzung von Brandverletzungen im Spiel beschrieben. Umfang: 21 Seiten, 3 Grundrisse, zwei Handouts, eine Karte.
Fred Behrendt zeigt uns in "The Professionals", dass das Schicksal der Menschheit in den Klauen schrecklicher Monster liegt. Hier gehen die Charaktere zur Wahlurne und werfen einen Blick hinter die schweren, undurchsichtigen Vorhänge der Politik... Ort: Baltimore; Umfang: 19 Seiten, ein Grundriss.
"Fractal Gods", von Steve Hatherley, läßt jeden Geometrielehrer verzweifeln an der Unmöglichkeit cthuloider Weltordnung. Die SC gelangen in eine Realität, die weit hinter dem offensichtlich Wahrnehmbaren liegt. Gleichzeitig statten ungenannte Schrecken der guten alten Erde einen Besuch ab. Hier werden zwei neue Geisteskrankheiten ins Spiel gebracht: Cyberphobie - die Angst vor Computern, denn spätestens seit F. Urlaub wissen wir, wie gefährlich Haushaltsgeräte sein können. Als zweite Geisteskrankhet lernen wir Mandelmanie kennen - das hat nichts mit dem Jahrmarkt zu tun, sondern mit der Faszination die von Fraktalen, insbesondere den Mandelbrot-Bildern, ausgeht. Daneben werden einige neue Kreaturen aus dem Innenleben des Computers vorgestellt. Es sei noch angemerkt, dass "Fractal Gods" auch ohne Informatik-Kenntnisse spielbar ist. Ort: Boston und Houston; Umfang: 14 Seiten, 2 Handouts, zwei Grundrisse.
In "The Gates of Delirium", von Gary Sumpter, stößt man die Tore in andere Dimensionen auf, die jenseits des menschlichen Intellekts liegen. Den Weg dorthin kennen allerdings nur ein paar Versuchskaninchen in einer geschlossenen Anstalt... der Weg führt über eine seltsame Droge, die in diesem Szenario beschrieben wird und die mit Leichtigkeit auch in bestehende Kampagnen übernommen werden kann, um die man bzw. sogar eigene Kampagnen entwerfen kann. Ort: New York City und Long Island; Umfang: 16 Seiten, 7 Handouts, zwei Karten und zwei Grundrisse.
Recht musikalisch geht es in Kevin A. Ross' "The Musik of the Spheres" zu. Wer dahinter aber den himmlischen Klang von Aeolsharfen vermutet, wird schnell feststellen müssen, dass es mehr mit dem Rauschen und allerlei Geräuschen aus dem All zu tun hat. "Contact" und "Sings" lassen grüßen. Ort: Im Herzen von Nebraska; Umfang: 25 Seiten, 4 Handouts, zwei Karten und zwei Grundrisse.
Aus der Feder von David Conyers stammt "Darkest Calling". Es geht direkt in das lebensfeindliche Herz der Wüste Arizonas - hier fanden rätselhafte Ritualmorde statt, die es finsteren Dämonen gestatten, ins Diesseits zu gelangen. Ähnlichkeiten zu anderen Rollenspielsystemen sind natürich nur rein zufällig... Hier wird ein neues Fahrzeug - besser Flugzeug - vorgestellt, der AB139 Law Enforcement Helicopter und auch ein neuer Zauberspruch: Summon/Bind Festering Shambler. Der Festering Shambler ist Angehöriger einer niederen Dienerrasse, bekannt aus David Conyers "Solvent Hunger" und wird ebenfalls beschrieben. Ort: Phoenix und Sonoran Desert, Arizona; Umfang: 14 Seiten, 5 Handouts und zwei Karten.
Die letzte Zutat "The Source and the End", von William Jones, schreibt die Geschichte einer kleinen Stadt. Hier finden sich optionale Regeln zum Nahkampf, sowie eine neue Regel, die es besonders erfahrenen Charakteren erlaubt einen verpatzten Fertigkeitswurf zu wiederholen. Ort: Hillston, Colorado; Umfang: 17 Seiten, 3 Handouts.
Abgeschmeckt wird dieser köstliche Szenario-Mix durch eine Prise Hintergrundmaterial von Steven C. Rasmussen und D.H. Frew: "When the Stars Came Right Again" erkundet die Geheimnisse hinter den Geschichten Lovecrafts und insbesondere von "Call of Cthulhu". Untersucht werden - in geradezu wissenschaftlicher Akribie - Sternenkonstellationen. Interessantes Hintergrundwissen für den Spielleiter, mit dem es möglich sein sollte, dem ein oder anderen Szenario die nötige Extra-Schärfe zu verleihen. Umfang: 8 Seiten und 3 Abbildungen.
Alles in allem ist "The stars are right!" nur zu empfehlen, wenn man gerne in modernen Zeiten auf den Spuren Cthulhus wandelt. Die kleine Abenteueranthologie bietet genügend unterschiedliche, irre, übersichtliche Szenarien, um selbst in kürzester Zeit einen spannenden Spielabend zu gestalten.
Die Anforderungen an den Spielleiter sind aufgrund des geringen Umfangs der Abenteuer gering, so dass durchaus auch Anfänger Spaß an diesem Modul haben werden. Veteranen finden die zum Teil abgefahrenen Ideen für eigene Szenarien sicherlich sehr inspirierend, bzw. können die Szenarien als Basis nehmen und diese in die laufende Kampagne einbetten oder auch etwas ausschmücken. Wie bei jeder Anthologie bieten die neuen Kreaturen, optionalen Regeln, Zauber etc. unabhängig von den Szenarien neues Spielmaterial.
Zum Schluss noch alles kräftig verrühren und bei kleinem Leselicht vortragen. Ich garantiere ein paar schöne Abende und abenteuerhungergestillte Spieler.
Guten Appetit!