Endlich ein weiterer, der dritte Teil von Kai Meyers Mythenwelt. James Owen setzt jene phantastischen Ereignisse fort, die in den Vorgängern so furios begannen.
Hauptperson von Der zeitlose Winter ist der afghanische Schiffsjunge "Fischmehl" - ungewöhnlicher als dieser Name ist höchstens noch sein Gefährte für den weiteren Verlauf des Romans. In einem Karton, den sein Kapitän als Schmuggelware in einem Ort namens Silvertown (jawohl, diese Stadt kennen wir schon aus Teil 2) aufnimmt, lernt er Wasily Strugatski kennen. Oder vielmehr dessen Kopf, der jedoch außerordentlich lebendig und mitteilsam ist und prima mit Fischmehl auskommt (auch wenn der die Angewohnheit hat, den geschichtenerzählenden Wasily mit lauter Fragen zu unterbrechen). Die Fahrt des Schiffs gen Spanien wird jäh durch einen sehr spontanen und sehr umfassenden Wintereinbruch unterbrochen, der den Ozean einfrieren lässt und zu den weltumspannenden sonderbaren Veränderungen gehört, die seit Band 1 stattfinden. Fischmehl wie der Leser erfahren durch Wasily einiges über die mythologischen Hintergründe des ganzen Geschehens, was ihnen aber auch nichts nützt, als sich der Kapitän entschließt, sich in einen Minotaurus zu verwandeln und über sie alle herzufallen. Die kuriose Flucht mit Hilfe von Fischmehls Bruder Hammurabi gelingt nur dank des aufopfernden Einsatzes der als Passagiere mitreisenden Bluesband. Schließlich begegnet man dem Buddha in seiner gegenwärtigen Inkarnation, ein alter Kumpel von Wasily, der letztlich dafür sorgt, dass Fischmehl und Hammurabi die Welt retten Ð fürs erste jedenfalls mal, gänzlich und endlich aufgehalten sind die Veränderungen im Verlauf der Welt noch längst nicht...
So skurril sich diese Zusammenfassung lesen mag, ist auch der eigentliche Roman. Der Humor gefällt mir dieses Mal noch um einiges besser als in den Vorgängern; speziell die Wortgefechte zwischen Fischmehl und Wasily sind an Witz kaum zu überbieten. Eher beiläufige Absurditäten wie die Bluesband erhöhen den Spaßfaktor noch einmal und sorgen für einiges an belustigtem Kopfschütteln. Dabei vergisst Owen aber nicht, manch losen Faden der großen Rahmenhandlung aufzunehmen und den Schleier vor dem Hintergrund recht umfassend zu lüften. Viele Handlungsstränge aus den beiden Vorgängern bleiben aber noch offen, was ein klein wenig unbefriedigend ist. Hoffentlich schafft es der Autor, das alles noch zusammen zu bringen in den folgenden Bänden.
Mir hat Der zeitlose Winter sehr viel Spaß gemacht, aber das ist sicher auch eine Frage des persönlichen Humors. James Owen sprüht ein weiteres Mal vor grotesken, aberwitzigen Ideen und Charakteren, die diese Reihe schon längst auszeichnen. Wer die ersten beiden Teile mochte, wird auch diesen lieben. Es gibt kaum vergleichbares in diesem Bereich - die Romane um die Mythenwelt mit ihren Vermischungen aller möglichen Mythologien, Religionen und Wissenschaften sind ein echtes Unikat im phantastischen Genre, das sich keiner entgehen lassen sollte.