- Achim (eig. Ludwig Joachim) von Arnim
26. 1. 1781 Berlin - 21. 1. 1831 Wiepersdorf
Arnim war der Sohn eines Edelmanns im preußischen Staatsdienst. Seine Erziehung erhielt er durch die Großmutter in Berlin. Ostern 1798/99 begann er sein Studium der Naturwissenschaften in Halle. In Giebichenstein bei Reichardt lernt er Tieck kennen, mit dem er Leipzig besuchte. Ab Ostern 1800/01 studierte er in Göttingen. Im Frühjahr 1801 lernte er C. Brentano kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. 1802 besuchte er die Familie Brentano in Frankfurt und machte die Bekanntschaft mit Bettina. Eine Rheinreise führte ihn mit Clemens bis nach Düsseldorf. Danach begann er seine Sammlung mündlicher Volksüberlieferung. Nach Reisen in die Schweiz, nach Frankreich und England hielt er sich in Berlin und Heidelberg (1805) auf. Mit Brentano zusammen entstand in Heidelberg der erste Teil des "Wunderhorns". Bei Kriegsausbruch im Sommer 1806 war er in Göttingen. Nach der Schlacht bei Jena reiste er über Berlin und seine Güter nach Königsberg. Im Oktober 1807, nach dem Friedensschluß, zog er nach Kassel um mit Brentano die Teile II - III des "Wunderhorns" zusammenzustellen. Im Jan. 1808 reiste er zur Drucküberwachung nach Heidelberg. Die Heidelberger Romantik erreichte ihren Höhepunkt. Zusammen mit Brentano, Görres, Grimms, Tieck, Runge, Kerner u. a. gab er von Dez. 1808-12 die "Zeitung für Einsiedler" in Berlin heraus, wohin im Herbst 1809 Brentano und 1810 Savigny und Bettina nachkamen. Im Dez. 1810 fand die Verlobung und am 11.3. 1811 die Hochzeit mit Bettina Brentano statt. Zusammen mit Brentano, Kleist, A. Müller, Chamisso, Fouqué u. a. gründete er im Jan. 1811 die Christlich-deutsche Tischgesellschaft. Von Herbst 1811 bis Febr. 1812 lebte er mit Bettina in Weimar. Er nahm als Hauptmann eines Landsturmbataillons am Freiheitskrieg 1813 teil. Von Okt. 1813 an war er Redakteur des "Preußischen Korrespondenten". Doch 1814 zog er sich ins Privatleben als Landwirt und Schriftsteller auf seinem Gut Wiepersdorf bei Dahme zurück. Er unternahm nur noch gelegentlich Reisen und längere Aufenthalte in Berlin. Er starb durch einen Nervenschlag nach einer Jagd.
- Erich Fromm
1900 - 23. März: Geburt von Erich Pinchas Fromm in Frankfurt am Main als einziges Kind des orthodox-jüdischen Weinkaufmanns Naphtali Fromm und seiner Frau Rosa, geb. Krause.
1918 - Abitur an der Wöhler-Schule in Frankfurt und anschließend zwei Semester Jura-Studium an der Universität Frankfurt. Freundschaft mit Rabbiner Nehemia Nobel.
1919 - Mitbegründer des "Freien Jüdischen Lehrhauses" in Frankfurt am Main
1919 - ab Sommersemester Studium in Heidelberg.
1920 - Wechsel vom Jurastudium zum Studium der Nationalökonomie (Soziologie) bei Alfred Weber in Heidelberg. Bis 1925 Talmudunterricht bei Rabbi Rabinkow.
1922 - Promotion zum Dr. phil. bei Alfred Weber über Das jüdische Gesetz.
1924 - Zusammen mit Frieda Reichmann Eröffnung des "Therapeutikums" in der Mönchhofstraße in Heidelberg. Psychoanalyse bei Frieda Reichmann, später bei Wilhelm Wittenberg in München.
1926 - 16. Juni: Heirat mit Frieda Reichmann. Abkehr von der Praxis des orthodoxen Judentums. Kontakte zu Georg Groddeck nach Baden-Baden.
1927 - Erste Veröffentlichungen als Anhänger der Freudschen Orthodoxie.
1928 - Lehranalyse bei Hanns Sachs in Berlin und psychoanalytische Ausbildung am Karl Abraham Institut in Berlin.
1929 - Mitbegründer des Süddeutschen Instituts für Psychoanalyse in Frankfurt, zusammen mit Karl Landauer, Frieda Fromm-Reichmann und Heinrich Meng.
- Ernst Bloch
* 8.7.1885 Ludwigshafen/Rhein jüd. + 4.8.1977 Tübingen
Ernst Bloch gilt als einer der wichtigsten deutschen Philosophen des 20. Jahrhunderts. Er wurde 1885 im damals bayrischen Ludwigshafen am Rhein in einem jüdischen Elternhaus geboren und studierte nach dem Abitur in München und Würzburg Philosophie. In den Jahren nach seiner Promotion schloß er Freundschaft mit Georg Lukács und verkehrte im Heidelberger Kreis um Max Weber. 1918 erschien das bedeutende Frühwerk Geist der Utopie. In den Zwanziger Jahren lebte Bloch als freier Autor in Berlin und pflegte regen Austausch mit Theodor W. Adorno, Walter Benjamin, Bertolt Brecht, Siegfried Kracauer, Otto Klemperer und anderen.
Biographie (chronologisch):
Vater Markus Bloch (1853-1925), Bahnbeamter. Mutter Barbara,geb. Feitel (1861- 1935).
Erste Heirat 1913 mit Else, geb. von Stritzky, zweite Heirat 1922 mit Henriette
Linda, geb. Oppenheimer. Dritte Heirat l934 Karola, geb. Piotrkowska.
Zwei Kinder: Mirjam Josephsohn, geb. Abele, und Jan Robert Bloch
1905 München, Studium: Philosophie, Germanistik
1906 Würzburg, Studium: Philosophie, Musik, Physik
1908 Würzburg, Promotion
1908 Berlin, Kolloquium bei Georg Simmel, trifft Georg Lukács und Margarete Susmann
1911 Bonn, Garmisch, Heidelberg, Max-Weber-Kreis mit Georg Lukács, Bekanntschaft mit Else von Stritzky
1913 Heidelberg, Heirat mit Frau von Stritzky
1914 Grünwald/Isar, Erste Skizzen zum Buch Geist der Utopie
1917 Bern, pazifistische und politische Artikel, Forschungsauftrag des Archiv für Sozialwissenschaft, Heidelberg
1918 München, Geist der Utopie erscheint bei Duncker und Humblot
1919 Berlin, München, Rückkehr aus der Schweiz
1920 München, Arbeit am Buch Thomas Münzer
1921 München, Thomas Münzer erscheint bei Kurt Wolff, Tod der Ehefrau Else
1922 Berlin, Heirat mit Linda Oppenheimer,
1923 Berlin, Neuausgabe von Geist der Utopie, Generalvertrag mit dem Verlag Paul Cassirer
1924 Reisen nach Italien, Frankreich, Nordafrika
1926 Berlin, Begegnungen und Gespräche mit Adorno, Benjamin, Kracauer, Mitarbeit bei Zeitschriften
1928 Berlin, Geburt von Tochter Mirjam Abele, Beziehung mit Karola Piotrkowska, Scheidung von Linda Oppenheimer, Mitarbeit an der Frankfurter Zeitung, Freundschaft mit Brecht, Weill, Klemperer
1929 Wien, Aufenthalt mit Karola Piotrkowska
1930 Berlin, Erzählungen Spuren erscheinen, Arbeiten an Erbschaft dieser Zeit
Blochs Frühwerk:
Im Zusammenhang mit der Doktorarbeit über Erkenntnistheorie fand er den Ausgangspunkt seiner eigenen Philosophie: die doppelte Bewegung auf das "Noch-Nicht-Bewußte" und das "Noch-Nicht-Gewordene". Im ersten großen Buch, im Geist der Utopie, wird der utopische und hoffende Ausgriff auf das Noch-Nicht des Künftigen formuliert. Es geht darum, daß wir uns selbst aus den Horizonten des uns Möglichen finden, und das Hoffen klären, mit dem wir immer schon nach vorne unterwegs sind.
Die Zukunft ist dabei prinzipiell offen, sie wird nicht ausgemalt. Ähnlich steht es mit der Hereinnahme der marxistischen Lehre ins Gedankengebäude von Geist der Utopie, im Kapitel mit dem bezeichnenden Titel "Karl Marx, der Tod und die Apokalypse": Was wirtschaftlich kommen soll, die notwendige ökonomisch institutionelle Änderung, sei bei Marx bestimmt, keineswegs jedoch all die transzendierenden Momente, "die neuen, eigentlichsten Abenteuer des freigelegten Lebens, das Wozu".
Die Marxsche Sozialkonstruktion müsse eingebracht werden in eine metaphysische, ja religiöse Perspektive - Programmentwurf für Blochs gesamtes späteres Werk. Und die Apokalypse schließlich; hier ist völlig offen, ob sie Auslöschung oder Erfüllung sein wird; "unserer Hoffnung aber bleibt" - so Bloch in jüdisch-christlichen Metaphern ausgedrückte atheistische Religion - der in uns Menschen selber reifende Gott. Geist der Utopie bündelt wesentliche Strömungen des damaligen philosophischen und theologischen Diskurses; das Buch wurde vielfach besprochen, es brachte dem jungen Philosophen Ruhm und Anerkennung.
Die 20er:
In den Zwanziger Jahren lebte Bloch vor allem in Berlin und hielt sich auch längere Zeit in Italien und Frankreich auf. Die philosophische Arbeit trat zurück, er schrieb Feuilletonartikel und literarische Aufsätze in den großen linksdemokratischen Periodica der Weimarer Republik wie Berliner Tageblatt, Frankfurter Zeitung, Das Tage-Buch oder Die Weltbühne.
- Georg Gottfried Gervinus
1805-1871
Gehörte zu den "Göttinger Sieben".
Gervinus, geboren am 20. Mai 1805 in Darmstadt, war zunächst Kaufmann und wurde dann Historiker. Nachdem er Dozent in Heidelberg gewesen war, nahm er 1836 eine Professur in Göttingen an. Hier gehörte er zu den "Göttinger Sieben", jenen Professoren, die König Ernst August von Hannover öffentlich des Verfassungsbruches bezichtigten, und wurde mit ihnen 1837 des Amtes enthoben.
Zwischen 1835 und 1842 erschien dann seine "Geschichte der deutschen Nationalliteratur", in der er erstmals Dichtung im Zusammenhang mit der geschichtlichen Entwicklung darstellte. Ab 1844 lehrte er wieder in Heidelberg und gab 1847 die "Deutsche Zeitung" heraus, ein Organ der gemäßigten preußischen Liberalen.
Als solcher war er 1848 für kurze Zeit Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung, zog sich nach dem Scheitern der Revolution jedoch aus der Politik zurück. Als er 1853 seine "Einleitung in die Geschichte des 19. Jahrhunderts" veröffentlichte, die die Zukunftsvision eines föderalistischen und demokratischen Zeitalters entwarf, wurde ihm wegen Hochverrats der Prozeß gemacht und die Lehrerlaubnis entzogen.
Daraufhin arbeitete Gervinus bis zu seinem Tod am 18. März 1871 als Privatgelehrter in Heidelberg.
- Gustav Radbruch (Jurist, Politiker SPD)
1878-1949
1878 21. November: Gustav Radbruch wird in Lübeck als Sohn eines Kaufmanns geboren.
1895-1900 Er studiert in München, Leipzig und Berlin Jura.
1901 Radbruch legt das Referendarexamen in Lübeck ab.
1902 In Berlin promoviert er bei Franz von Liszt (1851-1919) mit der theoretischen Arbeit "Die Lehre von der adäquaten Verursachung".
1903 In Heidelberg habilitiert Radbruch mit einer Arbeit zum strafrechtlichen Handlungsbegriff.
1904-1910 Er ist an der Universität Heidelberg als Privatdozent tätig.
1910-1914 Radbruch lehrt als Professor für Strafrecht und Rechtsphilosophie in Heidelberg.
1914-1916 Außerordentlicher Professor an der Universität Königsberg (Ostpreußen, heute: Kaliningrad).
1916-1918 Während des Ersten Weltkriegs ist Radbruch freiwilliger Krankenpfleger und dient später im Landwehr-Infanterie-Regiment Nr. 111 an der Westfront.
1918 Unmittelbar nach Kriegsende setzt sich Radbruch für die Idee einer demokratischen Republik ein. Er veröffentlicht die Flugschrift "An die jungen Juristen".
1919 Radbruch tritt der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) bei und ist entschiedener Befürworter der Weimarer Reichsverfassung.
1919-1926 Er ist als Professor für Strafrecht und Rechtsphilosophie in Kiel tätig.
Radbruch wird mit seinem Entwurf einer "Materialen Rechtslehre" zum bedeutenden Rechtsphilosophen und Neukantianer. Er versteht die Menschenrechte als subjektives Naturrecht.
1920-1924 Er ist Reichstagsabgeordneter. Radbruch ist Mitherausgeber der politischen Zeitschriften "Schriften zur Zeit" und der "Neuen Blätter für den Sozialismus". Er setzt sich für eine stetige Erneuerung der sozialistischen Idee ein.
1921 Radbruch veröffentlicht seine "Rechtsphilosophische Parteienlehre", in der er die Demokratie als einzig zulässige Staatsform kennzeichnet.
26. Oktober: Er wird Reichsjustizminister im zweiten Kabinett von Joseph Wirth.
1923 13. August - 3. November: In der Großen Koalition unter Gustav Stresemann ist Radbruch wiederum Justizminister. In dieser Funktion setzt er Teile einer Strafrechtsreform durch. Seine weitergehenden Entwürfe einer Reform des Strafgesetzbuchs - wie Abschaffung der Todesstrafe und eine mildere Jugendgerichtsbarkeit - kann er aufgrund des Rücktritts der Regierung Stresemann nicht umsetzen.
1923-1926 Radbruch widmet sich wissenschaftlicher Arbeit.
seit 1926 Er kehrt als Rechtsprofessor an die Universität Heidelberg zurück.
1927/28 Radbruch entwirft in "Kulturlehre des Sozialismus" ein sozialdemokratisches Kulturideal. Für die Justiz sollen Gerechtigkeit, Rechtssicherheit und Zweckmäßigkeit als höchste Werte konstatiert werden.
- Hannah Arendt, Philosophin
1906 14. Oktober: Hannah Arendt wird als Tochter des Ingenieurs Paul Arendt und dessen Frau Martha (geb. Cohn) in Linden (bei Hannover) geboren. Sie wächst in einem sozialdemokratischen jüdisch-assimilierten Elternhaus in Königsberg auf.
1924 Sie nimmt ein Studium der Philosophie, Theologie und Klassischen Philosophie in Marburg auf, wechselt aber später nach Freiburg im Breisgau und Heidelberg, wo sie u. a. bei Martin Heidegger und Edmund Husserl studiert.
1928 Promotion über den "Liebesbegriff bei Augustin" in Heidelberg bei Karl Jaspers, dem sie ihr Leben lang verbunden bleibt.
1929 Übersiedlung nach Berlin, wo sie den Philosophen Günther Anders (vormals Stern) heiratet.
Arendt beginnt mit Forschungen zur deutschen Romantik, die durch ein Stipendium der "Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft" gefördert werden. In dieser für sie selbst wichtigen Auseinandersetzung mit den Bedingungen der gesellschaftlichen Assimilation von Juden versucht sie erstmals, das jüdische Dasein existenzphilosophisch zu erfassen.
- Hans Philipp Ehrenberg
* 1883
Hans Philipp Ehrenberg wird am 4.6.1883 in Hamburg-Altona als Kind einer Familie des emanzipierten Judentums geboren. Er wächst in einem nationalliberalen Elternhaus auf, in dem jüdische Tradition nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Sein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften schließt er im Jahr 1906 mit einer Dissertation über die Lage der Hüttenarbeiter im Ruhrgebiet ab. Nach seiner Militärzeit und einem Zweitstudium der Philosophie, das er ebenfalls mit einer Promotion abschließt, wird er im Herbst 1910 Privatdozent für Philosophie in Heidelberg.
Entscheidend für seinen weiteren Werdegang wird das Jahr 1909, in dem er sich in Berlin evangelisch taufen läßt. Noch vor der Novemberrevolution tritt der Kriegsfreiwillige von 1914 in die SPD ein. Er wird SPD-Stadtverordneter in Heidelberg und engagiert sich in der entstehenden religiös-sozialistischen Bewegung. Im Jahr 1922 beginnt Ehrenberg das Theologiestudium. 1923 besteht er das erste und 1924 das zweite theologische Examen. Er tritt aufgrund der Bindungen seines geistlichen Amtes aus der SPD aus und ist seit dem 27.9.1925 als Pfarrer in Bochum tätig, wo er schnell zum theologischen Mittelpunkt der evangelischen Arbeitnehmerbewegung sowie ökumenisch gesinnter Kreise wird.
Ehrenberg, der bereits seit 1927 mit den örtlichen Stellen der NSDAP in scharfem Konflikt steht, gehört von Beginn an zu den führenden Persönlichkeiten der Bekennenden Kirche.
- Helene Wieruszowski
* 1893
Geboren wurde Helene Wieruszowski am 13.12.1893 in Elberfeld, ihre Kindheit verbrachte sie in Köln. Die Familie ist zum wohlhabenden Bildungsbürgertum der Stadt zu rechnen. Der Vater Alfred Wieruszowski, Senatspräsident am Oberlandesgericht in Köln, später auch Honorarprofessor der Kölner Universität, und die Mutter Jenny Wieruszowski (geb. Landsberg) konvertierten vom Judentum zum Protestantismus, ein Weg, den viele ambitionierte Juden gingen, um aktiv am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Die christliche Taufe, die nach Heinrich Heine das "Entrebillet zur europäischen Kultur" darstellte, war zwar der Versuch, die eigene Identität abzuschütteln, tatsächlich aber hörten Juden weder im eigenen Bewußtsein noch im Urteil ihrer Umwelt auf, Juden zu sein.
Helene Wieruszowksi wurde protestantisch getauft und - wie sie betont - auch protestantisch erzogen: "From Jewish parents I was baptized and brought up in the protestant religion." Um ihre jüdische Herkunft hat sie zwar gewußt, in ihrer Kindheit und Jugend wird diese Tatsache für sie jedoch eher eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Geprägt und fasziniert hat sie vielmehr das mittelalterliche katholische Köln: "I experienced the greatest thrill and fascination when moving in the medieval catholic milieu of ancient Cologne, visiting the Romanesque churches, not to mention the cathedral, walking in a truly nostalgic mood the old streets past houses and monuments with their legendary memories."
Die Begeisterung für das Mittelalter und dessen Geschichte entwickelte sich schon während ihrer Schulzeit am Humanistischen Mädchengymnasium in Köln, das sie seit 1906 besuchte, und wo sie 1912 die Reifeprüfung mit dem Prädikat "gut" ablegte. Das Humanistische Mädchengymnasium Köln war erst 1903 eröffnet worden und das erste Gymnasium für Mädchen in Preußen überhaupt. Zuvor hatte sich der Verein Mädchengymnasium, dem auch Helene Wieruszowskis Eltern angehörten, in mehrjährigem Kampf mit dem Preußischen Kultusministerium für die Errichtung der neuen Schule eingesetzt. Die Eltern Helene Wieruszowskis unterstützten die Sache der Mädchenbildung und des Frauenstudiums engagiert. Die Mutter Jenny war aktiv als Vorstandsfrau der Kölner Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins, der Vater Alfred beriet den Verein in rechtlichen Fragen, auch später noch, als man entschied, sich als Verein Frauenstudium neuen Zielen zu widmen.
Nach dem Abitur begann Helene Wieruszowski 1913 das Studium an der Universität Freiburg, "hauptsächlich in Geschichte und Germanistik." Daneben hörte sie auch Vorlesungen über Philosophie, Geographie und Latein. Ihr "Hauptinteresse war aber von Anfang an auf die mittelalterliche Geschichte gerichtet." Schon in Freiburg hörte sie bei Friedrich Meinecke, den sie später als jenen ihrer Lehrer bezeichnete, den sie am stärksten bewundert habe. Sie wechselte schon nach zwei Semestern nach Heidelberg, dann nach Bonn und schließlich nach Berlin. Dort nahm sie erneut an Seminaren Meineckes teil, der mittlerweile einen Ruf in die Hauptstadt erhalten hatte. Ihr letzter Studienortwechsel ließ sie nach Bonn zurückkehren, weil ihr hier die Chance einer Promotion bei Wilhelm Levison eröffnet wurde. Am 17.7.1918 erlangte sie den Doktorgrad, das Thema ihrer Arbeit war "Die Zusammensetzung des gallischen und fränkischen Episkopats bis zum Vertrag von Verdun."
Als Schülerin Meineckes und Levisons hatte Helene Wieruszowski eine erstklassige historische Ausbildung genossen. Meinecke, der sich der politischen Ideengeschichte verbunden fühlte, inspirierte sie später, während er an der "Idee der Staatsräson" arbeitete, das Thema "Machiavellismus vor Machiavelli" zu bearbeiten. Unter der Anleitung Levisons hingegen hat sie sich vor allem der historischen Hilfswissenschaft und der Paläographie gewidmet.
Im Jahr nach ihrer Promotion legte Helene Wieruszowski das Staatsexamen ab und trat anschließend den Vorbereitungsdienst für das höhere Lehramt an. Der Lehrerinnenberuf war einer der wenigen Berufe, den Frauen mit einem geisteswissenschaftlichen Studium ergreifen konnten. Doch das Referendariat, das sie an einem städtischen Lyzeum in Köln absolvieren sollte, mußte sie bereits Ostern 1920 nach dem Tod der Mutter vorzeitig abbrechen, um den väterlichen Haushalt zu führen und die Erziehung der jüngeren Schwester zu übernehmen. Doch anstatt später das Referendariat fortzusetzen, trat sie neun Monate darauf eine Stelle als wissenschaftliche Hilfsarbeiterin bei der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde in Köln an. Dadurch bot sich die Möglichkeit, wissenschaftlich tätig zu sein, gleichzeitig im Haushalt zu arbeiten und sich um die jüngere Schwester zu kümmern.
In dieser Zeit veröffentlichte sie einige Arbeiten zur Rheinischen Landesgeschichte, die sie als Grundlage für eine Habilitation benutzen wollte. Doch das Vorhaben, die Venia legendi zu erhalten, gestaltete sich schwierig. Grundsätzlich waren Frauen zwar seit 1920 zur Habilitation zugelassen, tatsächlich verhinderten die verantwortlichen Universitätsgremien nicht selten dahingehende Bemühungen von talentierten Wissenschaftlerinnen.
Helene Wieruszowski hat sich mit dem Wunsch, die Habilitation zu erlangen, an die Philosophische Fakultät der Universität Köln gewandt. Ihr Anliegen wurde allerdings ohne die Prüfung ihres konkreten Falles oder ihrer wissenschaftlichen Qualifikation verworfen. Durch den Dekan wurde ihr lediglich mitgeteilt, "daß die Philosophische Fakultät die Habilitation einer zweiten Dame in Geschichte nicht für opportun" ansähe. Im Jahr zuvor hatte die Philosophische Fakultät bereits das Habilitationsverfahren für Ermentruda v. Ranke eröffnet, das zur Zeit des Antrags von Helene Wieruszowski noch nicht abgeschlossen war.
Nachteilig könnte sich zudem ausgewirkt haben, daß der Historiker Hashagen, der ihr Anliegen unterstützte, in der Fakultät nicht besonders beliebt war und zur gleichen Zeit einen Ruf nach Hamburg erhielt, wohin man ihn "fortzuloben" gedachte. Einen zweiten Anlauf unternahm Helene Wieruszowski in Köln nicht mehr, obwohl Ermentrude v. Ranke kurze Zeit später fortberufen wurde und damit der Grund ihrer Ablehnung nicht mehr bestand.
Schenkt man einem Brief Hannah Arendts an Karl Jaspers Glauben, soll Helene Wieruszowki einen zweiten Habilitationsversuch dann in Bonn unternommen haben. Einige Jahre später, als sie bereits verbeamtete wissenschaftliche Bibliothekarin an der Universitätsbibliothek Bonn war, habe sie 1932 die Habilitation bei der Philosophischen Fakultät beantragt, was aber abgelehnt worden sei, da die Fakultät keine Juden mehr habilitieren wollte.
Das Volontariat in Berlin trat sie 1926 an, nach dem Examen 1928 wurde sie als außerplanmäßige Bibliothekarin an der Universitätsbibliothek Bonn eingestellt. Zwei Jahre später wurde sie zur planmäßigen Bibliothekarin befördert und verbeamtet. In ihrer Zeit als wissenschaftliche Bibliothekarin an der Bonner Universitätsbibliothek hat sie "beim Erwerb und der Katalogisierung mittelalterlicher Handschriften wesentlich mitgewirkt" und beeindruckte durch ihr "ungewöhnliches Organisationstalent." Die Arbeit hier gab ihr außerdem noch genügend Freiraum, sich auch eigenen Forschungstätigkeiten zu widmen. Sie beendete die von Friedrich Meinecke angeregte und schon 1924 begonnene Arbeit zur politischen Publizistik Friedrich II.
Auch wenn Helene Wieruszowski Anfang der 30er Jahre eine relativ gesicherte Stellung im Universitätsbetrieb inne hatte und damit etwas erreicht hatte, was nur wenigen Frauen im konservativen Milieu der deutschen Universitäten gelang, fällt eine Zwischenbilanz eher nüchtern aus: Denn zum einen hat sie das eigentliche Ziel, als Dozentin an einer Universität lehren zu dürfen, aufgrund der Tatsache, daß sie Frau und Jüdin war, nicht verwirklichen können; die konservativen, im Kaiserreich verhafteten Universitäten erschwerten talentierten Wissenschaftlerinnen den Zugang zum 'Elfenbeinturm'. Zum anderen war ihr der Bibliotheksdienst weniger Berufung als vielmehr die Nische im System, in der sie ihre Interessen allen widrigen Umständen zum Trotz weiterverfolgen konnte.
- Hermann Kossel - Biographie eines Hygienikers
Hermann Kossel wurde am 02.11.1864 als jüngstes Kind eines königlich preußischen Konsuls und Schiffsreeders in Rostock geboren. Nach Beendigung seiner Schulzeit studierte Kossel in Rostock, Tübingen und Berlin Medizin und promovierte 1887 mit seiner Arbeit: "Beiträge zur Lehre vom Auswurf". Seine Assistenzarztzeit verbrachte Kossel von 1888 bis 1889 am Elisabeth-Kinderhospital Berlin und von Januar bis September 1890 am Krankenhaus Moabit Berlin. Die nächsten acht Jahre arbeitete er am Institut für Infektionskrankheiten unter der Leitung Robert Kochs. Kossel begann hier seine Forschungsarbeiten über die Serumtherapie der Diphtherie und arbeitete eng mit Emil von Behring und Paul Ehrlich zusammen. Aufgrund seiner wissenschaftlichen Arbeiten am Institut wurde er am 13.01.1898 zum Professor ernannt. Im selben Jahr begleitete er Koch auf dessen Malariaexpedition nach Italien. Kossel bildete neben seiner eigentlichen Arbeit am Institut zusammen mit August Wassermann Ärzte, die sich im Reichs- oder Kolonialdienst befanden, in der Kenntnis und Behandlung von Tropenkrankheiten aus. Anfang 1899 wechselte Kossel an das Kaiserliche Gesundheitsamt in Berlin. Im selben Jahr reiste er mit Weber nach Finnland um die Hämoglobinurie der Rinder zu studieren und mit Frosch nach Portugal zum Studium der Pest. Er konnte bei beiden Reisen wertvolle Ergebnisse sammeln. Ende des Jahres wurde Kossel zum Regierungsrat ernannt. Ab 1901 war Kossel in der deutschen Kommission zur Nachprüfung von Kochs Theorie, Rinder- und Menschentuberkulose würden durch verschiedene Erreger verursacht. Durch überaus sorgfältiges und kritisches Arbeiten konnte er dies bestätigen. Danach ließ ihn die Forschung über Tuberkulose nicht mehr los. Auf den Tuberkulosekongressen 1905 in Paris und 1912 in Rom hielt Kossel wichtige Vorträge. 1904 wechselte Kossel nach Gießen und wurde dort Ordinarius für Hygiene und Direktor des Hygiene-Instiutes. 1906 wurde er zum Mitglied des Reichsgesundheitsrates ernannt. 1910 bekam Kossel einen Ruf nach Heidelberg, dem er im April folgte. Er war nun ordentlicher Professor der Hygiene und übernahm auch hier als Direktor das Hygiene-Institut. Vor eine schwere Entscheidung gestellt sah sich Kossel 1916 als er einen Ruf an das Robert-Koch-Institut als Nachfolger Löfflers bekam. Er lehnte jedoch ab und wurde in Heidelberg zum Geheimen Hofrat ernannt. 1919 wurde Kossel zum Rektor der Universität Heidelberg gewählt. Diese so kurz nach dem Ersten Weltkrieg gestellte Aufgabe war nicht leicht zu bewältigen. Man kann also sehen wie breitgefächert und vielseitig Kossels Aufgabenbereiche waren. Immer setzte er sich jedoch mit all seinen Kräften ein und widmete sich ganz der Wissenschaft und dem Wohle der Menschheit. Kossel war verheiratet und hatte zwei Töchter. Er starb am 29.4.1925 unerwartet durch einen Herzinfarkt.
- Hermann Oncken
Hermann Oncken wurde am 16. November 1869 als Sohn eines Kunsthändlers in Oldenburg geboren. Hier wuchs er auch auf und erhielt seine Schulbildung. Oncken studierte Neuere Geschichte in Heidelberg und Berlin. Im Juli 1891 wurde er an der Friedrich-Wilhelms-Universität mit einer Arbeit über 'Oldenburgische Geschichtsquellen im Mittelalter' promoviert.
Bis 1894 arbeitete Oncken anschließend als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter am Großherzoglichen Haus- und Zentralarchiv in Oldenburg. Auf der Grundlage seiner dortigen landesgeschichtlichen Forschungen wurde er 1898 bei Max Lenz in Berlin habilitiert.
Seinem Lehrer Max Lenz ist auch Onckens zukünftige Vertrautheit mit dem Werk Leopold von Rankes zuzuschreiben. Wie prägend dieser Einfluß war zeigte sich nicht nur in der scharfen publizistischen Auseinandersetzung mit Karl Lamprecht (1896), sondern auch in Onckens - über 30 Jahre später - formuliertem Selbstverständnis als 'Erneuerer einer distanzierten Objektivität und vorurteilsfreien Universalität'. Geschichte, so Oncken 1929, sei eine Wissenschaft, "die ihren Sinn und ihre Gesetze in sich selber trägt und doch mit dem Leben so eng verbunden ist: in das man immer wieder eintauchen möchte, um die Anschauung der Zeiten zu befruchten, und von dem man sich immer wieder ablösen muß, um dem historischen Verstehen seine Reinheit und Unabhängigkeit zu bewahren."
Oncken, der seit 1904 an der Berliner Kriegsakademie tätig war, nahm 1905-06 eine Gastprofessur an der Universität Chicago wahr, die sein Interesse an anglo-amerikanischer Geschichte verstärkte. Er übernahm 1906 das Ordinariat für Neuere Geschichte in Gießen. Bereits ein Jahr später wechselte er an die Universität Heidelberg, der er insgesamt 16 Jahre angehörte. Hier sammelte er seit 1915 als Vertreter der Universität in der Ersten Badischen Kammer auch Erfahrungen in der praktischen Politik. Bis 1918 agierte Oncken als Vorsitzender der Nationalliberalen Partei in Heidelberg, danach war er parteipolitisch nicht mehr organisiert. 1923 folgte er einem Ruf nach München. Angebote aus Wien, Göttingen und Hamburg lehnte er ab.
An allen genannten Orten gewann Oncken nicht zuletzt durch seine rhetorisch-eindrucksvollen, frei vorgetragenen Vorlesungen eine beträchtliche Anzahl von Schülern (u.a. Gerhard Ritter und Franz Schnabel).
Seit seiner Habilitation arbeitete Oncken vornehmlich an Themen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. 1904 erschien seine Biographie Ferdinand Lassalles, die auch innerhalb der Sozialdemokratie Anerkennung fand und ihn einer weiteren Öffentlichkeit bekannt machte. Sechs Jahre später legte er eine umfangreiche, zweibändige Biographie des nationalliberalen Parteiführers Rudolf von Bennigsen vor. Das besondere Verdienst dieser Arbeit (Friedrich Meinecke sah in dem 'Wälzer' nur 'Ansätze' zu einer glänzenden Biographie) lag in der Erforschung der deutschen Parteiengeschichte.
Neben einzelnen Essays (z.B.: 'Aus der Frühzeit Rankes' 1922) legte Oncken eine Reihe von großen, mehrbändigen Quelleneditionen (zur Rheinlandpolitik Kaiser Napoleons III, 3 Bde., 1926; 'Großherzog Friedrich I. von Baden und die deutsche Politik von 1854 bis 1871', 2 Bde, 1927) vor.
Im November 1927 hatte Oncken den Ruf nach Berlin erhalten, dem er im Frühjahr 1928 folgte. Er wurde hier - wie zuvor in Heidelberg und München - Nachfolger von Erich Marcks. Bereits im März 1928 wählte die Historische Reichskommission den neuen Ordinarius zum 1. Stellvertretenden Vorsitzenden. Onckens zu diesem Zeitpunkt wissenschaftspolitisch bedeutende Rolle läßt sich zudem an der Mitgliedschaft in den Akademien der Wissenschaften in München, Heidelberg, Göttingen und Berlin ablesen. Der Wechsel an die Friedrich-Wilhelms-Universität scheint für ihn persönlich dennoch nicht ganz unproblematisch gewesen zu sein. So hielt sein Fachkollege Fritz Hartung - nicht ohne Ironie - in einem Brief 1929 fest: "An Oncken machen wir wieder die Erfahrung, daß man nicht zu spät nach Berlin kommen soll; das Einleben in die hiesigen Verhältnisse ist nicht einfach. Bei Oncken spielt wohl auch noch eine leise Enttäuschung mit; im großen Berlin spielt selbst ein großer Professor keine besondere Rolle, es sei denn, daß er 80 Jahre alt wird."
Sah Oncken sich selbst als 'Liberaler' so wurde er von seinen Hörern und Schülern doch eher als 'konservativ' wahrgenommen. Manche erkannten auch 'völkische' Aspekte in seinen Vorlesungen.
- Johann Heinrich Voß
1751-1826
Der deutsche Übersetzer Homers. Voß wurde am 20. Februar 1751 im mecklenburgischen Sommersdorf geboren. Er entstammte einer Familie ehemaliger Leibeigener; sein Vater war ein armer Pächter und Gastwirt. Eine schwere Jugend in kargen Verhältnissen machte Voß zeitlebens zum Demokraten und Feind des Absolutismus.
Nach dem Besuch des Gymnasiums wurde er Hauslehrer, um das Studium der Theologie, Philosophie und der alten Sprachen in Göttingen zu finanzieren. Er wurde Mitbegründer des Dichterbundes "Göttinger Hain" und erfolgreicher Herausgeber des "Musenalmanachs". 1781 begann er mit der Übersetzung vom Homers "Odyssee", 1793 übersetzte er die "Ilias". Seine Übersetzungen und die Nachdichtungen antiker Texte von Ovid, Vergil, Aristophanes und anderer begründen seinen Ruhm bis heute. Voß schrieb auch sogenannte Idyllen, in denen er die Natur und die geordnete Welt des Bürgers beschrieb : "Luise" (1795) wurde zum Vorläufer von Goethes "Hermann und Dorothea".
Nach einer Zeit als Schulrektor wurde Voß Privatgelehrter in Jena, ab 1805 in Heidelberg. Im Alter stritt Voß heftig gegen die Romantiker (u.a. Clemens Brentano) und wurde ein engstirniger Verfechter des Klassizismus. Er starb am 29. März 1826 in Heidelberg.
- Netty Reiling
Netty Reiling wurde am 19. November 1900 in Mainz als Tochter des jüdischen Kunst- und Antiquitätenhändlers Isidor Reiling geboren. Nach der Grund- und Oberschule studierte sie in Köln und Heidelberg Geschichte, Kunstgeschichte, Philologie und Sinologie. 1924 promovierte sie an der Universität Heidelberg mit der Arbeit "Jude und Judentum im Werke Rembrandts". Ein Jahr später heiratete sie den ungarischen Soziologen László Radvány. Im Alter von knapp 28 Jahre erschien ihr erstes Buch "Aufstand der Fischer von St. Barbara" unter dem Pseudonym Anna Seghers, welches mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet wurde. Im selben Jahr trat sie der Kommunistischen Partei Deutschland (KPD) und 1929 dem Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller (BPRS) bei.
- Pitiscus, Bartholomeo, Mathematiker und Theologe
* Grünberg i. Schlesien 24.8.1561, + Heidelberg 2.7.1613
Wirkte als Hofkaplan (1594 Oberhofprediger) in Heidelberg. P. wurde mit seinem einflußreichen Werk »Trigonometria: sive de solutione triangulorum tractatus brevis et perspicuus« zum Begründer der systemat. ebenen Trigonometrie. Der »Thesaurus mathematicus« (1613) verbesserte die trigonometrischen Tafeln des G. J. RHETICUS.
Der Theologe und Hofprediger Bartholomäus Pitiscus erstellte um 1600 zusammen mit dem Astronomen Valentin Otho und dem Professor für Hebräisch, Logik und Arabisch Jacob Christmann, trigonometrische Tafeln. Im Titel seines Buches erscheint der Begriff Trigonometria zum ersten Mal.
- Wilhelm Fraenger
Während seines Studiums an der Universität Heidelberg begann Fraenger 1912, für die "Heidelberger Zeitung" über Ausstellungen zeitgenössischer Kunst im Heidelberger Kunstverein zu schreiben. Zwei Jahre später wurde er Vereinsmitglied. Von 1916 bis 1918 war er zweiter Vorsitzender des Kunstvereins und in dieser Funktion maßgeblich an der Gestaltung der Ausstellungen des Kunstvereins beteiligt.
Sein Anliegen war es, einzelne Künstler in der gesamten Bandbreite ihres Schaffens zu präsentieren, wobei sein Augenmerk insbesondere unentdeckten Künstlern galt. 1917 verfaßte er den Text "Die Bedeutung des Kunstvereins für die Stadt Heidelberg", in dem er die Wichtigkeit der Auseinandersetzung mit der modernen Kunst unterstrich, die in Heidelberg außerhalb des Kunstvereins nicht gegeben war. Da sein Engagement für die zeitgenössische Kunst bei der breiten Öffentlichkeit in Heidelberg auf wenig Gegenliebe stieß, gründete Fraenger 1919 schließlich die "Gemeinschaft".
5. Juni 1890 Wilhelm August Ludwig Fraenger wurde in Erlangen als Sohn des Justizrates und zweiten Bürgermeisters Emil Karl Hermann und seiner Frau Wilhelmine Jacobine Fraenger geboren.
1896 - 1900 Besuch der Volksschule in Erlangen.
1900 - 1910 Besuch der humanistischen Gymnasien in Erlangen, Ingolstadt und Kaiserslautern.
1910 - 1918 Studium der Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft, Geschichte und Volkskunde an der Universität Heidelberg.
1912 Fraenger befreundete sich mit den Künstlern Alfred Kubin und Max Zachmann.
1913 Fraenger erhielt die Goldene Medaille der Philosophischen Fakultät der Universität Heidelberg für die Preisschrift "Kunsttheorie des 17. Jahrhunderts und ihr Vertreter Arnold Houbraken".
1914 - 1918 Er war Mitglied des Heidelberger Kunstvereins und zwei Jahre lang dessen zweiter Vorsitzender.
1915 - 1916 Gefreiter im Reserve-Infanterie-Ersatzbataillon Karlsruhe.
1915 - 1918 Assistent am Kunsthistorischen Institut der Universität Heidelberg.
1917 Fraenger promovierte bei Carl Neumann über "Die Bildanalysen des Roland Fréard de Chambray".
1918 - 1927 Er veröffentlichte Studien u.a. zu Ernst Kreidolf, Hercules Seghers, Pieter Brueghel und Max Beckmann, gab die "Komische Bibliothek" heraus und hielt Vorträge über alte und moderne Kunst an der Mannheimer Kunsthalle unter der Direktion von Fritz Wichert. Darüber hinaus unternahm er Studienreisen in die Niederlande, nach Frankreich und in die Schweiz.
1919 In Heidelberg gründete Fraenger den freien Bildungsbund "Die Gemeinschaft", in dem u.a. Hans Fehr, Theodor Haubach, Oskar Kokoschka, Hans Prinzhorn und Carl Zuckmayer mitwirkten.
1920 Heirat mit Auguste ("Gustel") Esslinger; Bekanntschaft und spätere Freundschaft mit Heinrich George.
1924 Beginn der lebenslangen Freundschaft mit der Künstlerin Louise Kayser-Darmstädter und Wilhelm Fraenger.
1925 Herausgabe des "Jahrbuchs für historische Volkskunde".
Seit 1927 war Fraenger als Direktor der Schloßbibliothek Mannheim tätig.