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Kingsport: The City in the Mists
Cthulhu engl. 19.08.05

von  Steffen Köhn

“Kingsport – The City in the Mists” ist nach den Bänden über Arkham und Dunwich eine weitere Wiederveröffentlichung von Chaosiums klassischer Lovecraft Country-Reihe. Im Gegensatz zu den beiden Vorgängern hat sich bei dieser Neuauflage – so viel sei schon vorweggenommen- doch einiges zum Positiven verändert und die Urfassung aus dem Jahre 1991 ist kräftig erweitert worden.

 

Eifrigen Lovecraft-Lesern ist Kingsport als geheimnisvolle, nebelumwaberte Hafenstadt mit rätselhafter Nähe zu fernen Traumwelten sicher ein Begriff. Und da Autor Kevin Ross auch wirklich jede überlieferte Quelle zur Beschreibung des Städtchens ausgeschöpft hat ist klar, dass hier ein äußerst stimmungsvoller und ergiebiger Abenteuerschauplatz bereitsteht.

 

Inhaltlich eröffnet der Band mit den beiden klassischen Erzählungen des Meisters, die das Bild von Kingsport geprägt haben: „The Strange High House in the Mists“ und „The Festival“. Wie sinnvoll eine derartige Wiederveröffentlichung bekannter Lovecraft-Geschichten angesichts einer Leserschaft ist, die vermutlich sowieso im Besitz aller seiner Erzählungen ist, darüber mag man streiten. Aus deutscher Perspektive ist es zumindest schön, über diese großartigen Erzählungen hiermit im englischen Original zu verfügen, zumal sie atmosphärisch wirklich wunderbar in den folgenden Text einleiten.

 

Die nächsten Kapitel informieren uns dann über die Vergangenheit von Kingsport und auch über jenen dunklen Kult, den die ersten Siedler des Ortes einst aus Südfrankreich mit an die amerikanische Ostküste brachten und der immer noch im Geheimen aktiv ist.

 

Darauf folgt der „Guide to Kingsport“, mit über 50 Seiten der umfangreichste Abschnitt des Buches. Hier wird ein detaillierter Überblick über die Stadt, aufgeteilt in acht Viertel, gegeben und alle wichtigen Gebäude, Personen und Einrichtungen ausführlich beschrieben. Diese Beschreibungen sind durchweg lesenswert, sehr dicht und enthalten unzählige Samen für Erlebnisse die die Spielercharaktere in Kingspot haben könnten. Glücklicherweise ist darauf verzichtet worden, diese Beschreibungen - wie noch bei „Dunwich“ - in ein Abenteuer einzuweben, was der Übersichtlichkeit sehr entgegenkommt. Löblicherweise hat man die ursprünglichen Texte sogar um einen Index ergänzt, der alle Einträge nach einzelnen Rubriken aufschlüsselt. So lassen sich beispielsweise alle Einwohner, alle Hotels, aber eben auch alle irgendwo in der Stadt verstreuten Mythosbücher sofort auffinden, ohne dass der Spielleiter alle Abschnitte absuchen müsste.

 

Abgerundet wird der Band durch drei längere Abenteuer, die viele Ideen aus der Stadtbeschreibung aufnehmen und daher die Kingsport eigene Stimmung sehr genau treffen.

 

„The House on the Edge“ arbeitet sich an dem geheimnisvoll hochgelegenen Haus im Nebel ab und ist eher eine kurze erste Begegnung mit jenen Kräften die hinter den Kulissen der Stadt operieren.

 

„Dreams & Fancies“ ist ein zunächst klassisches Investigationsabenteuer: Ein junger hochbegabter Dichter hat Selbstmord begangen, dahinter steckt ein merkwürdiger Gedichtband, der seine Leser in tiefste emotionale Abgründe führt. Bei ihren Recherchen verschwimmen für die Spielercharaktere jedoch zusehends die Grenzen zwischen Traum und Realität und das effektvolle, jedoch auch recht anspruchsvoll zu spielleitende Ende konfrontiert jeden der Ermittler mit seiner eigenen dunklen Psyche.

 

„Dead in the Water“ hingegen erzählt von dem rätselhaften Verschwinden zahlreicher Seeleute in Kingsports Hafengegend. Die Spur führt zu einem alten Schiffswrack, dessen inneres von unheiligem Leben erfüllt ist. Die Handlung ist dabei gefährlich nahe an der Cthulhu-Matrix, ziemlich uninspiriert und gerade das Ende lässt sich mit einem Spielstil, der subtilen, persönlichen Horror bevorzugt eher schwierig vereinbaren.

 

Zur grafischen Aufmachung ist zu sagen, dass Chaosium einmal mehr auf das Pegasus-Seitenlayout zurückgegriffen und damit natürlich nichts falsch gemacht hat. Anders als noch bei Dunwich liegen die Illustrationen und auch die Karten der Stadtviertel diesmal in ansprechender Qualität vor. Wirklich zu begeistern wissen die großformatige sehr stilvolle Stadtkarte und ein Touristenprospekt über Kingsport im Stil der 1920er, welches als Gimmick beigelegt ist. Die Handouts sind angenehm, jedoch nicht so liebevoll wie bei deutschen Publikationen gestaltet. Handgeschriebene Briefe und ähnliche hierzulande zum Standart gewordene gestalterische Spielereien sucht man vergebens. Der Appendix enthält des Weiteren auf 13 Seiten gedrängt alle erdenklichen Spielwerte konvertiert für das D20-Format. Leitet man eines der Abenteuer, ist also Blättern und Suchen angesagt.

 

Insgesamt ist „Kingsport- The City in the Mists“ eine geglückte Neuauflage, die zahlreiche schöne Anregungen und zumindest ein gelungenes Abenteuer enthält. Endlich hat Chaosium auch einmal die Chance genutzt, sinnvolle Veränderungen zur ursprünglichen Fassung vorzunehmen, wodurch diese Ausgabe sicherlich der umständlichen Ebay-Suche nach den alten Lovecraft-Country-Klassikern vorzuziehen ist.



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