Die fiktive Stadt Arkham mit der Miskatonic Universität ist wohl der Ort, der in Lovecrafts Geschichten am häufigsten erwähnt wird – Grund genug, diese Stadt am Beginn dieser Reihe zu setzen. Das Buch selbst ist in der schon gewohnt hervorragenden Aufmachung von Pegasus erschienen und recht dick geworden. Dabei ist es ein reines Quellenbuch ohne Abenteuer – also viel Lesestoff und Hintergrundmaterial zu der alten Stadt am Miskatonic.
Eigentlich sind es zwei Bücher, die hier zu einem dicken Band zusammengefasst worden sind. Es handelt sich um die überarbeitete Übersetzung von „H. P. Lovecrafts Arkham“ von Keith Herber und um „Miskatonic University“ von Sam Johnson – beides Quellenbände aus dem Hause Chaosium, welche die Stadt und ihre Universität hervorragend für das Cthulhu Rollenspiel aufbereitet haben.
Der erste Teil des Buches behandelt folglich die Stadt Arkham, und zwar aus der Sicht um 1928. Zunächst folgen kurze Abhandlungen über die wechselvolle Geschichte, über das Leben in der Stadt, über die Wetterverhältnisse und über die Strukturen der Stadtverwaltung. Dann gibt es ein kleines Kapitel über den „guten Ruf“ und wie man den sozialen Status eines Bürgers oder eines Studenten der Miskatonic Universität regeltechnisch erfassen kann. Dann beginnt der Hauptteil, die Häuserbeschreibungen.
Arkham hat neun Stadtteile, auch wenn auf der Übersichtskarte nur acht davon eingezeichnet sind (bei Lower Southside fehlt die Beschriftung). Zu jedem Stadtteil gibt es nun eine Häusernummerierung, und diese speziellen Wohn-, Verwaltungs- und Geschäftshäuser werden mit einer kurzen aber stimmigen Beschreibung vorgestellt. Die Nummerierung ist nach den Stadtteilen sortiert, man findet also schnell die gesuchte Beschreibung. Neben den bekannten „Sehenswürdigkeiten“ wie das Hexenhaus, den Independence Square oder die verbotene Insel findet man auch jede Menge anderer Schauplätze wie Fabriken, Dienstleistungsbetriebe, Schulen, Kirchen und erwähnenswerte Privathäuser. Ein Index am Buchende macht das Auffinden leicht.
Der Stadtplan von Arkham liegt auch als A2-Plan bei. Durch die 3D-Ansicht der Gebäude findet man sich rasch in der Stadt zurecht und man bekommt ein recht plastisches Bild vermittelt.
Der zweite große Teil des Buches behandelt die Miskatonic Universität in den 1920er Jahren. Liest sich die Arkham-Beschreibung stellenweise etwas trocken (obwohl sie natürlich immer wieder spotlightartig Ideen für Szenarien, Begegnungen oder Kurzabenteuer liefern), so wird es hier etwas direkter, persönlicher. Denn die Universität lebt ja von ihren vielen Bewohnern, und von Professor Armitage bis zum Hausdiener sind hier eine Reihe interessanter Persönlichkeiten beschrieben. Dazu wird gut erklärt, wie die Universität so funktioniert, welche Fakultäten und Institutionen es gibt, wie man als Student oder Lehrender seine Tage hier verbringt, und natürlich werden auch etliche Geheimnisse der Miskatonic Universität erwähnt, manche gelüftet, andere nur angedeutet. Alles in allem bekommt man ein sehr stimmungsvolles Bild vom Leben auf diesem Campus, dass man sich gleich inscribieren möchte.
Für Mythosforscher ist natürlich die Orne-Bibliothek dort ein lohnender Ort. Nirgendwo sind wohl mehr Mythosbücher an einem Ort versammelt als hier. Der Bibliothek wird ein eigenes Kapitel gewidmet, und die wichtigen Bücher darin werden mit den Spielwerten wie aus dem Necronomicon-Band dem Spielleiter ausführlich vorgestellt. Ein weiterer Abschnitt behandelt Kulte und Geheimgesellschaften, seltsame Orte wie das Tunnelsystem unter der Uni, und schließt schließlich mit Vorschlägen und Ideen für den Spielleiter, wie man Kampagnen an der Miskatonic Universität planen und durchführen kann.
Damit ergibt das Arkham-Quellenbuch einen äußerst praktischen Stadtführer samt Studienbegleiter. Für das Spiel in der alten Stadt am Miskatonic ist das Buch eine wertvolle Spielhilfe, und der Universitätsteil bietet etliche Abenteueraufhänger und Einblick in die Strukturen der berühmtesten aller Universitäten im Lovecraft Country. Wer vornehmlich in Lovecrafts ursprünglichen Regionen spielt, für den ist der Arkham-Band auf jeden Fall eine lohnenswerte Anschaffung.