Ein Kreaturen-Kompendium für Cthulhu, das mag vielen Spielern sehr am eigentlichen Ziel des Spiels vorbei geschossen zu sein. Vor allem, da es doch im Grundregelwerk schon ein ausführliches Angebot gibt, um den Charakteren den Garaus zu machen. Wer solche Gedanken hegt oder gehegt hat, der sollte die Finger vom Malleus Monstrorum lassen, denn er wird es nicht wieder loslassen wollen!
Das Buch bietet für 30 Euro genau 200 Seiten in einem schmucken Hardcover-Einband. Ein cthuloides Heptagramm bietet einen ersten Eindruck vom Inhalt, der zum größten Teil dem englischen Creature Companion von Chaosium entnommen ist. Die deutsche Ausgabe ist allerdings weit mehr als eine bloße Übersetzung des nur knapp halb so dicken Originals. Zunächst hat man auf die teilweise eher erheiternde Bebilderung verzichtet und einen großen Aufwand getrieben, um für alle Kreaturen neue Illustrationen anfertigen zu lassen. Dabei liegt der Schwerpunkt weniger bis gar nicht darauf, Spielleitern und Spielern ein genaues, physikalisches Bild vor Augen zu halten, sondern darauf, wie das Wesen im menschlichen Verstand wirkt und Spuren hinterlässt. Mit größter Sorgfalt und Authentizität angefertigt, findet man beispielsweise Schellack-Plattenhüllen, Jugendstilillustrationen, Grabungsfunde und vieles, vieles mehr.
Ergänzt wurden Kreaturen und Götter aus deutschen Szenarien (sowohl von Laurin als auch von Pegasus) und Mythos-Geschichten sowie neue Wesen aus englischen Publikationen, die seit 1998 erschienen sind. Bereits enthalten sind sogar schon die Königinnen von Shaggai, denen der Eine oder Andere sicher ab August über den Weg laufen dürfte.
Neben den Illustrationen die größte Veränderung sind die einleitenden Texte zu jedem Wesen. Waren sie bisher aus den entsprechenden literarischen Vorlagen (zumeist Kurzgeschichten) übernommen, wird jetzt nach der Nennung von Autor und Titel ein neu erdachtes Beispiel gegeben, wie die Kreatur in Erscheinung tritt. Dadurch wird ein deutlich ausgewogeneres Gewicht bei der Beschreibung der vielen Rassen, Großen Alten und Götter erreicht. Abgeschlossen wird jeder Eintrag mit einer Fortsetzung der eingänglich dargestellten Begegnung, in der die sterblichen Überreste der/des Unglücklichen gefunden und untersucht werden, die dem Wesen begegnet sind. Wenn sie denn überhaupt gefunden werden... In diesem Buch findet man auch erstmals eine Warnung für Kinder und Menschen mit Herzkrankheiten oder mentalen Störungen, was durch die häufig drastischen Todesreporte sicher gerechtfertigt ist.
Zusätzlich sind Teile der Tagebücher Sir Hansen Poplans über den Band verteilt. Die einzelnen Tagebuchseiten beziehen sich meist auf ganz bestimmte Aspekte des Mythos und sind thematisch den passenden Kreaturen zugeordnet. Sie sind außerdem in einem atmosphärischen Design gehalten und können bei Bedarf direkt als Handout fotokopiert werden. Überhaupt sollte man das Malleus Monstrorum eher als Inspirations- denn als Quellenbuch verstehen. Die Illustrationen und Beschreibungen der Kreaturen geben dem Spielleiter die Möglichkeit, seine Spieler mit immer wieder neuen Schrecken zu konfrontieren, was die Grundidee des Cthulhu-Mythos sehr unterstreichen kann. Um dem Spielleiter konkrete Ausgangspunkte für neue Ausflüge in die unentdeckten Reiche des Mythos zu geben, sind viele kurze Abenteuerideen in Extrakästen über den Band verteilt, die sich immer an einem bestimmten Wesen orientieren.
Abgeschlossen wird der Band von einem 5-seitigen Index. Allerdings sei einem ein Schmunzeln gestattet, wenn man in einem alphabetisch gegliederten Werk Mh'Ithrha über den Index sucht. Bei der hier und dort nicht streng eingehaltenen Sortierung wird man ihn dann schätzen, wenn man nicht mit Vorliebe in solchen Werken stöbert. Wirklich verwirrend ist auch nur der Eintrag der Schwarzen Sphinx, die als einzigartiges Wesen eigentlich in den Kreaturen-Teil gehört hätte, nun aber zwischen Göttern und Großen Alten zu finden ist.
Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass das Malleus Monstrorum ein wirklicher Monsterhammer ist, der auch Kritiker eines Kreaturenbuches überzeugen kann. Es wurde ein riesiger Aufwand getrieben, um die Götter und Rassen des Mythos in atmosphärischer Weise optisch und sprachlich darzustellen, was dem Spielleiter zwar nicht die Arbeit abnimmt, ihn aber sicher in vielerlei Hinsicht inspirieren und befruchten sollte. Mit diesem Buch hat Pegasus einmal mehr gezeigt, dass die Erwartungen der Leser/Spieler übertroffen werden können. Dies Buch ist sicher mehr als Standard, aber genau so macht Cthulhu Spaß! Man darf sich also schon auf die kommende Ausgabe des Spielleiterhandbuches freuen, in der die aus dem Regelwerk bereits bekannten Kreaturen in gleicher Weise illustriert werden sollen.