Lumleys Necroscope wird mit diesem Band wieder fleißig in seiner deutschen Fassung fortgesetzt - "Blutkuss" knüpft an die im vorherigen Band begonnen Ereignisse an und schildert zum einen Harry Keoghs Jagd auf einen perversen Hobby-Nekromanten und Frauenmörder. Doch ist dies später nur mehr Nebenhandlung, denn der Vampir in Harry wächst und wächst, und der Necroscope bekommt Probleme nicht nur mit dem E-Dezernat. Auf Starside schließlich findet er alte Bekannte wieder und dort wird auch die in der zweiten Hälfte von Band 11 erzählte Geschichte um Shaitan und Shaitis in der Eiswüste fortgesetzt. Ebendiese wollen nämlich das Schicksal Star- und Sunsides wieder zugunsten der Whampyri ändern und blasen zu einem Angriff mit eigens gezüchteten, fürchterlichen Dienerkreaturen. Zum Ende dieser Schlacht sieht es bös aus für Harry, doch er ist ja nicht alleine - und schließlich arbeitet sogar die Zeit für ihn, allerdings auf ganz andere Weise, als man dieses geflügelte Wort sonst kennt...
Tja, so erlebt Shaitan am Ende eine ganz besondere Überraschung, fast könnte man sagen, ein déja vu. Diese nette Wendung reißt den Roman auch hoch auf Mittelmaß, sonst macht er leider nicht so wahnsinnig viel her. Selbst für Lumley-Verhältnisse und Necroscope-Liebhaber ist überdeutlich, wie Lumley die Handlung unnötig zerfusselt und den Leser streckenweise gar gähnend langweilt (beispielsweise der endlose öde Monolog bei der Einsatzbesprechung des E-Dezernats, meine Güte...). Die Krimihandlung um die Verfolgung des Nekromanten und Mörders Johnny ist völlig uninspiriert (sie endet auch so) und dient nur zum Überbrücken von Zeit und Füllen von Seiten. Ab Harrys Ankunft auf Starside dann geht es etwas bergauf, wenn Lumley auch endlos Zeit vertrödelt beim Warten auf die Ankunft von Shaitan und Shaitis zur großen Schlacht. Ebendiese ist ein spannender Höhepunkt des Romans und beginnt recht viel versprechend. Dafür endet sie auf für Harry unvorteilhafte Weise, was für das Drama einer Romanhandlung zwar super ist, aber so unbegeistert und unspannend erzählt wird, dass es dem Leser mitunter echt egal ist, was denn mit Harry nun passiert...
Wie gesagt, das daraus resultierende Ende reißt den Band insgesamt wieder etwas raus; auch andere Passagen sind gelungen, es wirkt manchmal, als wäre hier und da ein geniale Idee bei Lumley aufgeblitzt, deren Feuer dann jedoch bei der Umsetzung rasch in Belanglosigkeit erlosch und unbegeistert in die Tonne getreten wurde. Ich habe selten so sehr die offene Unlust des Autors verspürt wie hier.
Fazit: Fans kaufen sowieso und sind happy - Einsteiger sollten lieber mit Band 1 anfangen, "Blutkuss" ist gewiss kein Vorzeigeexemplar für diese Reihe.