Der mittlerweile 19. Band von Lumleys Vampirepos beschäftigt sich wieder zentral mit Nathan, dem Sohn des Necroscopen, der zuletzt durch das Tor in Perchorsk in unsere Welt kam. Beim E-Dezernat bildet er weiter seine vom Vater geerbten Talente aus und versetzt Harrys alte Gefährten in Erstaunen. Weitaus mächtigere Ebenen jedoch scheinen ihn zu fürchten – ein geheimes Militärkommando ist auf ihn angesetzt worden und scheut dabei nicht einmal davor zurück, in die Einrichtungen des E-Dezernats einzudringen. Ein alter, aus dem Weg geräumt geglaubter Feind scheint dahinter zu stecken, doch das erfährt Ben Trask erst viel später. Da sind er, Nathan und eine kleine Gruppe weiterer Flüchtiger bereits auf dem Weg in die Vampirwelt, durch das Tor in Rumänien. Sogleich müssen sie sich dort gegen die Scheusale der Whampyri zur Wehr setzen, was dank des mitgeführten Waffenarsenals hervorragend gelingt und den Blutsaugern einiges zu denken gibt. Bei einem Angriff auf Nathans Heimatsiedlung fangen sich Lady Wrathas Schergen und Nathans Bruder, Lord Nestor, eine höchst empfindliche Niederlage ein. Neues Ungemach ist zudem in Anmarsch, eine Armee um Lord Vormulac naht bereits um die Abtrünnigen um Wratha zu strafen... Welche Rolle Turkur Tzonov, der ebenfalls mit einem Waffenarsenal und Soldaten in die Vampirwelt übergegangen ist, noch spielen wird, müssen wohl die folgenden Bände zeigen. Ebenso, was aus Siggi wird, der attraktiven Mentalistin, die von Tzonov ihrer Fähigkeiten beraubt durchs Tor gestoßen wurde und von Canker Canisohn gefunden und für seine Mondgöttin gehalten wird...
Es passiert so einiges im neuesten Necroscope, und zum ersten Mal kann der Rezensent behaupten, wirklich großen Spaß beim Lesen eines Lumley gehabt zu haben. Die Action verkommt nicht zum DOOM-Klon, sondern ist angemessen und „realistisch“ beschrieben und verleiht dem Roman Tempo und Spannung. Die in der Inhaltsangabe schon angedeuteten interessanten Wendungen geben viel Stoff für Spekulationen hinsichtlich der weiteren Entwicklungen. Der Band profitiert sicher auch davon, dass Lumley diesmal nicht Dutzende Seiten auf die sich ewig wiederholenden Widerwärtigkeiten der Whampyri in ihrer Feste verschwendet. Die Ereignisse um Nathan sind wesentlich spannender, und hoffentlich überträgt sich das auf die neue, gemeinsame Handlungsebene in der Vampirwelt. Ein sehr ansprechender Roman und eine positive Überraschung. Leider für Neueinsteiger in diese Reihe sicher inhaltlich auch sehr verwirrend, so dass eine Empfehlung nur für Veteranen ausgesprochen werden kann. Es wäre vermutlich sinnvoll, wenn der Festa-Verlag sich angewöhnt hätte – schon vor zehn Bänden oder so – jedem neuen Band eine individuelle Zusammenfassung des bisherigen Geschehens voranzustellen. Vielleicht ist es dafür ja noch nicht zu spät?