Ein Stausee in Neu-England: Zwei ältere Herren genießen ihren Sommerurlaub wie viele andere Camper an diesem idyllischen Ort. Doch der Schein trügt - in den Tiefen des See lauert etwas, dass einen unheilvollen Einfluss auf die umgebende Natur, die Tierwelt und sogar die Menschen ausübt. Doch erst der Besuch bei der Schwester eines der Park-Ranger, welcher ebenfalls ein Opfer jener geheimnisvollen "Kreatur" im See wurde, bringt den beiden Klarheit über die Natur dieses Feindes. Hier schließt sich der Kreis zu der "Farbe aus dem All" - einem durch einen Meteoriteneinschlag auf die Erde gelangten Organismus, der in der gleichnamigen Geschichte H. P. Lovecrafts eine Farm und seine Umgebung terrorisierte. Offensichtlich war dies nicht nur eine Geschichte, sondern entspricht tatsächlichen Ereignissen, wie die Dame zu berichten weiß - sie hat sie selbst miterlebt. Das ein Stausee nun jenen Ort, jene Farm bedeckt wo dies einst geschah, war ihr nie ein Trost, und die aktuellen Ereignisse am See bestätigen ihre Sorge. So machen sich eine alte Dame und zwei ältere Herren daran, jenem grauenhaften Wesen an der Quelle, an seinem Ursprung tief unten im See zu begegnen und es ein für allemal aus unserer Welt zu vertreiben und auszusperren.
Soviel zur reinen Story; an der Qualität des Äußeren (sehr nettes Titelbild) lässt sich nicht meckern, über die des Inhalts jedoch leider einiges. Alles in allem muss ich diesen Kurzroman als eher misslungen bezeichnen, und das hat mehrere Gründe.
Die Story beginnt ohne große Umschweife und langwierige Einführung, was ja nicht übel ist. Wir lernen die Protagonisten kurz kennen, zwei rüstige Rentner, die sich im ersten Drittel des Romans dauernd einen hinter die Binde gießen. Man kann schon gar nicht mehr mitzählen, wie oft da die Whisky-Flasche kreist oder ihr Inhalt in den Kaffee geschüttet wird. So oft, dass mir der Gedanke (eher die Befürchtung) kam, dass die ganzen seltsamen Beobachtungen, die Farbe, die riesigen Insekten und alles sich am Ende des Romans als Halluzinationen alkoholkranker Senioren herausstellen könnten. Doch außer unangenehm aufzufallen und Platz zu füllen hat dieses überpräsente Detail keinerlei Relevanz...
Derart schludrige Charakterzeichnung setzt sich auch weiter fort (plötzlich ist einer von beiden hobbymäßig Insektenkundler, ohne dass es anfangs beim Auftauchen der Monsterinsekten schon Erwähnung findet, und ähnliche Nachlässigkeiten).
Neben solchen Problemen im Umgang mit den Charakteren hat der Autor für mich aber noch einige Schwierigkeiten mit der Erzähltechnik (beziehungsweise ich habe Probleme mit der seinen). Neues Kapitel, man liest der-und-der ist ja tot. Keine Erläuterung wann wie und wo, erst ein paar Seiten pseudobedeutungsschwangerem Blabla später wird das näher ausgeführt. Das mag als erzählerischer Kniff durchgehen um Spannung zu schüren und ist durchaus legitim. Im Zusammenhang mit weiteren Eigenheiten im Stil Sheas jedoch sorgt es nur für unangenehme Brüche im Lesefluss und verwirrt, gerade auch durch die Häufigkeit der Anwendung dieses "Kniffs".
So liebt der Autor es anscheinend auch, vergangene Erlebnisse, die eine Person A erlebt und einer Person B erzählt hat, von Person B dem Leser berichten zu lassen aus einer Perspektive, als wäre Person B diejenige, die dabei gewesen ist. Man muss schon genau aufpassen um mitzubekommen, wer denn nun was tatsächlich erlebt hat - oder ob das nicht vielleicht jetzt gerade passiert?
Shea springt nämlich auch gerne innerhalb eines Halbsatzes zwischen Orten, Personen und Zeiten umher - im einen Satz geht es um den-und-den dort-und-dort, im nächsten sind wir ohne große Überleitung schon ganz woanders.
Für sich sind alle diese erzählerischen Eigenheiten nicht unbedingt was Übles. Aber in ihrer unglücklichen Kombination und vor allem unvorteilhaften jeweiligen Ausführung entsteht eine den Leser rasch verwirrende Abfolge von Szenen-, Ort- und Zeitwechseln, die auf Dauer frustriert. Zu diesem Frust addiert sich die aufgeblähte, bis zum (gelungenen und spannenden) Finale hin sich nicht nennenswert weiterentwickelnde Handlung. Neben dem Finale ist eigentlich nur noch die Entdeckung der beiden auf dem von der Farbe überfallenen Boot dramatisch und atmosphärisch geraten.
Für die magere Handlung hätte eine Kurzgeschichte mehr als ausgereicht; ein ganzes Buch zum Preis von satten 19 Euro rechtfertigt sie nicht. Die Fortsetzung der "Farbe aus dem All" ist recht geschickt mit der originalen Geschichte verknüpft; doch neue Aspekte werden dem ganzen leider nicht abgewonnen. So bleibt ein müder Aufguss von Altbekanntem in neuem Rahmen. Da hilft es auch nichts mehr, wenn Lovecraft selbst als Chronist wahrer Ereignisse dargestellt wird, die er in seinen Geschichten verwendet hat um die Menschheit zu warnen und der netterweise der alten Dame einige Ältere Zeichen überließ. Nicht wirklich mehr originell, aber die Story ist ja auch schon etwas älter.
Alles in allem: Guter Ansatz, wenige spannende und gute Momente, insgesamt aber mangelhafte Umsetzung. Derleth-Niveau, und das ist durchaus negativ zu interpretieren. Wer damit gut leben kann (meine Ansprüche mögen ihm zu hoch erscheinen), darf dagegen bedenkenlos zugreifen.
Solch herbe Kritik schreibe ich wohl eher selten, aber dieser Roman hat mich sehr enttäuscht und ich habe mich stellenweise wirklich über den Autor geärgert. Nicht, dass ich meine, es selbst besser zu können - aber ein Träger des "World Fantasy Award" sollte es! Schade.