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Vampirdetektiv Jack Fleming
Literatur 29.03.03

von  Oleg Eyser

Mit diesem Buch überträgt der Festa-Verlag den ersten Band der Vampirakten-Reihe von P.N. Elrod ins Deutsche. Im Gangstermilieu der dreißiger Jahre in Chicago angesiedelt, beginnt das Buch mit dem Tod und der Wiederkehr von Jack Fleming, einem recht erfolglosen Reporter aus New York, an den Ufern des Michigan Sees. Benommen finden wir Fleming als Opfer wiederholter Anschläge auf sein Leben, erst noch ohne Erinnerung an die jüngste Vergangenheit und völlig unwissend über seinen jüngsten Tod.

Nachdem Fleming seine Verfolger für den Augenblick abgeschüttelt hat, erkennt er sehr bald, dass etwas mit ihm ganz und gar nicht in Ordnung zu sein scheint. Als Kenner von Bram Stokers Werk wird ihm bald klar, was mit ihm nicht in Ordnung ist: er ist ein Vampir, untot und dazu verdammt, vom Blute Anderer zu leben.

 

Elrods Vampire unterscheiden sich in kleinen Details von der "literarischen" Vorlage, einerseits ist bei weitem nicht jedermann durch einen Biss oder Austausch von Blut ansteckbar. Und zweitens kann man als Infizierter noch ein ganz normales Leben führen, bis man stirbt. Erst dann zeigt sich, ob man ein Vampir wird oder für immer von dieser Welt treten muss. Damit ist aber sowohl dem Leser als auch Fleming klar: er ist gestorben, irgendjemand hat ihn umgebracht.

 

Zunächst muss Jack Fleming die kleinen Probleme lösen, mit denen er als Vampir konfrontiert wird. Seine Kleidung ist völlig zerschunden, ein großes Einschussloch ziert seine Brust und Rücken. Allein der Mond leuchtet so hell, dass er ihn zunächst irrtümlich für die Sonne hält, und die Sonne besitzt genug Kraft, um ihn ernsthaft erblinden zu lassen oder gar zu verbrennen. Um tagsüber ein erholsames Nickerchen zu halten, richtet er sich mit ein wenig Erde vom Grundstück seiner Eltern in einem Schrankkoffer ein; sozusagen ein moderner Sarg, der nicht sofort in jedem Hotelzimmer ins Auge fällt.

Bei seinen ersten Schritten stellt sich Fleming noch ein wenig unbeholfen an, die besonderen Begabungen eines Vampirs treten meist zufällig zu Tage und müssen ausgiebig traniert werden, bevor sie ihm womöglich aus brenzligen Situationen helfen können. Bei alldem wird der Privatdetektiv Charles Escott auf Fleming aufmerksam, woraus sich eine wichtige Partnerschaft ergibt. Escott ist interessiert an Vampiren und möchte Fleming dabei helfen, seine Mörder dingfest zu machen.

 

Im Folgenden entwickelt sich eine rasante Fahrt durch die Unterwelt der ehemaligen Schnapsschmuggler und Glücksspielbetreiber. Immer tiefer dringen die beiden Helden in nebulösen Nachtbars in ein Geflecht aus Bandenkrieg und Korruption. Es dreht sich alles um eine geheimnisvolle Liste, die es im Englischen sogar in den Titel geschafft hat: Bloodlist. Was es mit dieser Liste auf sich hat, soll weiter nicht verraten werden; nur so viel, am Ende geht alles sehr schnell.

 

P.N. Elrod schreibt flüssig und die Geschichte entwickelt sich ohne große Umwege. Teilweise würde man sich als Leser vielleicht etwas kritischere Charaktere wünschen, die nicht gleich die Existenz von Vampiren als ganz natürlich annehmen. Die innere Zerrissenheit von Jack Fleming wird zwar an vielen Stellen angedeutet, dann aber doch immer in Kürze abgehandelt. Fleming ist ein sehr moralischer Mensch gewesen, der mit den negativen Seiten und Talenten eines Vampirs nur schwer zurecht kommt, selbst wenn sie ihm aus bedrohlichen Situationen geholfen haben. Hier hätte man den Protagonisten deutlich tiefer ausarbeiten können, was aber hoffentlich in späteren Bänden nachgeholt wird.

 

Ein Vampirfan wird um dieses Buch nicht herumkommen. Als Bettlektüre ist P.N. Elrod gut geeignet, für mehr reicht es bei diesem ersten Band jedoch leider nicht - aber es werden wohl noch neun weitere folgen.


Vampirdetektiv Jack Fleming
P.N. Elrod
Festa-Verlag


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