Der Autor dieses Buchs wurde von mir bereits für "Grausame Städte" (Blitz-Verlag) ausgiebig gelobt und entsprechend hoch waren meine Erwartungen an diese neue Sammlung unheimlicher Erzählungen aus seiner Feder.
Insgesamt vierzehn von ebendiesen enthält das Bändchen, das mich vom Feeling her (Papier/Umschlagdicke, Umfang, Format etc.) stark an frühere Handbücher für Computerspiele erinnert (damals, als es sowas noch gab und nicht nur als PDF auf der CD rumgammelte) - kurios irgendwie, aber tut nichts zur Sache! Die Umschlaggestaltung jedenfalls ist sehr ansprechend, einzig das Verlagslogo verursacht, wahrscheinlich gewollt, eine Art Retro-Look-Flashback bei mir... Die Texte hätten hier und da noch ein etwas sorgfältigeres Korrektorat benötigt, aber die Fehler halten sich im noch erträglichen Rahmen.
Die Geschichten sind meist außerordentlich abwechslungsreich in Stimmung, Grundton und Stil, was zum einen natürlich geeignet ist Langeweile zu unterbinden, die bei ewig gleichartigen Stories aufkommen mag. Zum anderen enthüllt es aber auch die starken und schwachen Seiten des Autors; zumindest mir wurde recht deutlich, welche Art von Geschichten stärker wirken als andere, und welche geradezu banal sind (alles aus meiner Sicht, versteht sich - Geschmäcker sind verschieden).
Gegen einen wortgewaltigen, bildreichen "Wilhelm Arculineus" kann ein oberflächliches und stimmungsarmes "Nachts im Gewächshaus" eigentlich nur verlieren, und das sind nur zwei Beispiele. Diese stets schwankende Qualität zieht sich durch den ganzen Band, erstaunt und enttäuscht manchmal auch ein wenig; stammen "Joanna" und "Nachts im Schärengarten des Meeres" tatsächlich aus der Feder desselben Autors? Seltsam erscheint auch die Intention jener kleinen Fortsetzungsgeschichte um den Damm an der Otterbucht, die bis zum faden Ende stetig von der anfänglichen Kraft verliert. Hervor tun sich dann aber glücklicherweise so starke Erzählungen wie die schon erwähnten "Wilhelm Arculineus" und "Joanna", "Ein ganz besonderer Saft" (famos!) oder auch "Schnitzeljagd", die geschickt konstruiert und formuliert sind und das ganze Können des Autors offenbaren. Die Stärken liegen ganz offensichtlich in bizarreren Szenarien und weniger in wirklichkeitsnäheren Geschichten. In Ersteren sind auch die Protagonisten und Dialoge wesentlich überzeugender und interessanter als in Letzteren. Letztlich ist dies aber wohl eine Geschmacksfrage; die Mischung "leichterer" und "schwerer" Kost macht diese Sammlung praktischerweise für einen größeren Leserkreis interessant, was ja nicht verkehrt sein kann.
Insbesondere angesichts des günstigen Preises kann ich "Nachts" jedem Fan schauriger Kurzgeschichten nur dringend empfehlen und nahe legen. Man darf gespannt sein wie sich der Autor weiterentwickelt; behält er den "Mix" bei, wendet er sich stärker dem Grotesken zu, oder doch eher der einfacheren, banaleren Schauergeschichte? Warten wir es ab!