New York. Die Stadt, die niemals schläft. Eine pulsierende Metropole, Symbol eines Landes und Hoffnung hunderttausender Einwanderer. Rauschende Feste in exquisiten Hotels, Schmelztiegel der Kulturen von Harlem bis China Town und Moloch des organisierten Verbrechens. Mit Secrets of New York erweckt Chaosium den Big Apple zum Leben in Lovecrafts Welten.
Das Quellenbuch umfasst etwas mehr als 170 Seiten und beinhaltet eine kurze und atmosphärische Einleitungsgeschichte, gefolgt von einem geschichtlichen Abriss und dem Hauptquellenteil sowie zwei einleitenden Abenteuern. Dabei will das Buch kein Reiseführer sein und richtet sich wohl hauptsächlich an Spielleiter, die schon einmal in New York waren oder zumindest eine grobe Orientierung und ungefähre Ahnung von den Lokalitäten haben. Das Hauptaugenmerk liegt tatsächlich auf den titelgebenden Geheimnissen von New York und den ganz spezifischen Örtlichkeiten in den späten 1920er Jahren. Etwa zwei Drittel des Quellenteils entfallen auf Manhattan, den Rest teilen sich die vier anderen (äußeren) Stadtteile, die allerdings auch erst seit knapp 30 Jahren eingemeindet und teilweise noch sehr ländlich sind. Auch wenn die einzelnen Stationen auf den Karten an mancher Stelle recht schnell abgehakt werden, versteht das Buch es doch sehr gut, die Atmosphäre der großen Metropole in Zeiten der Prohibition einzufangen. Vom schwarzen Harlem mit dem legendären Cotton Club über das berüchtigte Hell's Kitchen bis ins bereits touristische China Town bekommt der Spielleiter einen bunten Querschnitt geliefert, der hier und dort nach mehr Informationen verlangen lässt. Da ein handliches Quellenbuch über New York aber in keinem Fall erschöpfend sein kann, mag man diesen vermeintlichen Mangel entschuldigen. An zwei Stellen scheint die Kürze der Einträge jedoch etwas überhastet. Red Hook hätte sicher ein wenig mehr Aufmerksamkeit verdient, und die zwei Sätze zu Ellis Island nehmen der Stadt einen ganz wesentlichen Antriebsgrund (und Charakteren einen Blickwinkel, den Millionen von Einwanderern hatten – und wer weiß, welche Gestalten sich hier noch so herumtreiben könnten).
An den Quellenteil schließt sich ein 26-seitiges Abenteuer an, das leider eines der Hauptgeheimnisse aus den Ressourcen praktisch schon zum Abschluss bringt. Der Spielleiter sollte sich gut überlegen, ob er an dieser Stelle nicht ein wenig mehr Arbeit investieren möchte, um einige weitere Abende mit dieser Nuss zu verbringen und die Charaktere durch den Big Apple zu jagen. Das zweite Abenteuer ist eigentlich nicht mehr als eine Episode, die noch am ehesten als Einstiegsabenteuer durchgeht und erfahrene Spieler nicht lange unterhalten wird.
Eindeutig geschmälert wird der Lesegenuss durch die grafische Aufbereitung. Die Illustrationen sind bis auf wenige Ausnahmen deutlich unter Durchschnitt, die Fotos sind in weiten Teilen sehr grobkörnig, und die Portraits erinnern häufig an alte Nick Knatterton Comics. Auch die Karten sind manches Mal nur mit Mühe zu entziffern und ohne großen Zusammenhang mit dem Text gesetzt. Einen weiteren Punktabzug gibt es für die allzu häufigen Tippfehler, die neben doppelten Buchstaben und fehlenden Worten auch fast komplett wiederholte Sätze umfassen.