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Das tote Brügge
Literatur 10.11.03

von  Ingo Ahrens

Bruges-la-Morte. Wollte ich schon lange mal lesen, nun liegt diese Ausgabe als Nachdruck einer genau hundert Jahre alten Übersetzung beim Festa-Verlag vor. Vor- und Nachwort sind leider nicht wirklich behilflich bei der Klärung, wer dieser Georges Rodenbach denn eigentlich war, passen aber irgendwie auch ganz gut zur durchaus kuriosen Sprache dieses Autors, dem man einen erheblichen künstlerischen Anspruch zugestehen muss. Typisch für Decadence und Romantik, wird in seinen Erzählungen reichlich ge-O-t, ge-Ah-t und ge-!-t, ganz melodramatisch und stilvoll lyrisch. Wirkt auf unsere heutigen Lesegewohnheiten recht ungewohnt, bisweilen gar amüsant. Was nicht heißen soll, dass Rodenbach sich mit amüsanten Themen befasst, ganz im Gegenteil. Tieftraurig sind beinahe alle seine hier enthaltenen Geschichten, melancholisch bis ins Mark. Tod, Trauer und Liebe sind seine Hauptthemen, mit blumigen Worten vermittelt er uns das damit verbundene Leid seiner Erzähler. Berühmt wurde er jedoch für seine Beschreibungen der alten (toten) Stadt Brügge, speziell in der titelgebenden und bei weitem längsten Erzählung; ich kann allerdings nicht bestätigen, dass diese mir als besonders eindrucksvoll aufgefallen ist. Zweifellos kommt aber eine angenehm düstere, hoffnungslose Atmosphäre in seinen Erzählungen auf und macht diesen Band zu einer idealen Lektüre für die dunkleren Jahreszeiten. Wer sich nur anspruchslos unterhalten lassen will, dürfte mit diesem Buch nicht so gut bedient sein. Hardcore-Grufties, Liebhaber von Kuriosem und sehr Speziellem sowie Literatur-Gourmets werden dagegen sehr zufrieden sein mit dieser Veröffentlichung. Zu erwähnen wäre noch das wirklich sehr sehr gelungene Cover - bitte mehr von diesem Künstler!


Das tote Brügge
Bizarre Bibliothek 4
Georges Rodenbach
Festa-Verlag 2003, EUR 13,95
Paperback, 224 Seiten


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