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Die Traumlande
Cthulhu dt. 22.07.09

Lange hat sich Pegasus dagegen gesträubt, Material zu H. P. Lovecrafts Traumlanden auf Deutsch zu veröffentlichen. Zu wenig Interesse, zu kleine Zielgruppen, zu wenig klassischer Horror und zu viel Fantasy, das waren so die Argumente. Umso größer war die Überraschung, als Pegasus neulich eine limitierte Auflage eines Traumlande-Bandes ankündigte, welche auf der 5. Auflage des „Dreamlands“-Buches von Chaosium basierte. Nun liegt das Werk vor, und schon war es in Kürze von der Verlagsseite her ausverkauft - obwohl die Auflage relativ hoch war. Und ein Blick auf das Buch bestätigt: es ist ein edles Werk geworden, ganz einfach traumhaft, wie passend.

von  Günther Dambachmair

Der Preis von knapp 50,- Euro sollte nicht abschrecken, er erklärt sich durch die Limitierung bei der Auflage und bei der edlen Ausstattung. Keine bizarren Muster und Runen zieren das Cover, sondern die Ansicht von Serannian in warmen Rottönen. Hochwertiges Papier bei den Seiten, farbige Vorsatzblätter, eine Landkarte in Farbe, Lesebändchen und ein Silberschnitt an den Seiten vervollständigen die schöne Optik des dicken Buches. Das Layout ist wie erwartet ebenfalls sehr augenfreundlich, diesmal finden sich mehr Illustrationen statt der sonst üblichen zeitgenössischen Fotos, welche aber allesamt gut gelungen sind.

 

Der Inhalt des Buches zeigt nur wenig Gemeinsamkeiten mit der alten Traumlande-Box von Laurin, die vor gut 20 Jahren erschienen ist. Der Quellen- und Regelteil wurde fast komplett neu geschrieben. Zu Beginn erfährt man, wie man den Übergang in die Traumlande regeltechnisch abhandelt, welche besonderen Regeln und Fertigkeiten für den Aufenthalt in den Traumlanden gelten und welche Wege es gibt, die Traumlande zu erreichen.

 

In den nächsten Kapiteln werden die Ländereien und Gebiete der Traumlande beschrieben. Spätestens hier wird klar, dass die Traumlande keineswegs Cthulhu auf Fantasy-Basis sind: die Länder und Städte der Traumlande gleichen versponnenen Fantasien, Tagträumen oder düsteren Alpträumen, und wer die Novellen von H. P. Lovecraft um Randolph Carter oder um die Katzen von Ulthar kennt, der weiß, dass hier nicht Phantastik mit Fantasy gleichzusetzen ist. Es ist eine eigene Welt mit einem eigenen Zauber, diese Traumwelt, sie ist variabel, undurchsichtig, mal in Pastelltönen gehalten und mal in tiefem trübsinnsgrau – je nachdem, wie die Stimmung der großen Träumer der Menschen war, die diese Welt erschaffen haben. Die Kapitel im Mittelteil geben eine gute Hilfestellung, wie die Traumlande zu bespielen sind, ohne in die üblichen Fantasy-Klischees abzudriften. Die Beschreibung der Landstriche, der Bewohner, der Wesen und der Gottheiten der Traumlande liefern anschauliche Beispiele dazu. Die Ortsbeschreibungen und das Bestiarium wurden gegenüber den alten Ausgaben wesentlich ausgebaut, und fast jedes „Monster“ ist nun mit einer Illustration versehen.

 

Nach einem kurzen Kapitel über die Magie in den Traumlanden, wo ein paar neue Zauber vorgestellt werden, folgt die nette Option, sich Charaktere zu erschaffen, welche direkt in den Traumlanden leben. Dazu ist lediglich eine leichte Anpassung der Grundregeln nötig, die Charaktererschaffung geht also auch hier flott von der Hand. Natürlich findet sich auch der dazu passende Charakterbogen im Anhang.

 

Die Abenteuer aus der alten Laurin-Box hat man beibehalten: so kann man auch jetzt wieder in „Schlaf, Tor zu den Träumen“ den ersten Schritt in die Traumlande machen, „Gefangener zweier Welten“ werden (ein schönes Abenteuer, das die Wache Welt geschickt mit den Traumlanden verbindet), der Spur von „Pickmans Schüler“ folgen, eine alptraumhafte „Zeit der Hexen“ erleben oder „Traumsegel“ setzen und „Das Land der verlorenen Träume“ aufsuchen – Letzteres übrigens ein ausgesprochen erstklassiges Abenteuer für schon erfahrene Spieler, das sie bis an die Grenzen ihres Selbsts bringen kann. Ganz neu dazugekommen ist das Abenteuer „Stadt der Schädel“ von Peter Schott, das im Deutschland der 1920er Jahre beginnt und dann in eine Reise zu einem schaurigen Ort in den Traumlanden mündet. Die Abenteuer sind durchwegs von guter Qualität, für alle Schwierigkeitsgrade vorhanden und reichlich mit Handouts versehen. Sie bieten Stoff für unzählige Stunden Aufenthalt in den Traumlanden.

 

Und als Bonus hat Pegasus noch ein kleines A5-Heft mit den Regeln für „Katzulhu“ beigepackt, jene amüsante Variante von Ingo Ahrens, die in der mittlerweile vergriffenen „Cthuloide Welten“ Nr. 1 und 2 erschienen ist. So kann man nun wieder mit Samtpfoten sich auf cthuloide Ermittlungen begeben, wohl wissend, dass die Katze in der Evolutionsskala lange vor dem Menschen kommt.

 

Damit ergibt das Traumlande-Buch ein sehr schönes Gesamtwerk, das sehr wohl seine Berechtigung neben dem klassischen „kosmischen-Grauen-Mythos“ hat. Das Buch bietet das gesamte Wissen über die Traumlande nebst stundenlangem Abenteuerspiel. Die Ausstattung kann sich sehen lassen, und zudem kann der Band wohl durch die Limitierung in ein paar Jahren zu einem begehrten Sammlerstück werden. Nicht nur für Träumer eine absolut lohnenswerte Anschaffung.


Quellen- und Abenteuerbuch für das Cthulhu-Rollenspiel
Von Chris Williams, Sandy Petersen, Shannon Appel, Kerie Campbell, Jaqueline Clegg, Scott Glegg, Phil Frances, Keith Herber, Susan Hutchinson, Lynn Willis, Scott David Anioloewski, Larry DiTillio, Jeff Okamoto, Kevin A. Ross, Richard T. Launius, Mark Morrison, Peter Schott
Coverdesign: Ralf Berszuck
Hardcover, 278 Seiten
Pegasus Spiele GmbH 2009, Limitierte Auflage, € 49,95


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