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Secrets of San Francisco
Cthulhu engl. 28.08.06

Secrets of San Francisco gehört sicherlich zu den am längsten angekündigten Neuheiten für Call of Cthulhu. Nach jahrelangen Verzögerungen, einem Festplattencrash und größtenteils neu geschriebenem Inhalt ist es am Ende doch erschienen.

von  Oleg Eyser

Der Band enthält einen etwas mehr als 100 Seiten umfassenden Quellenteil, der von vier Abenteuern und einem Anhang mit Bibliographie und Index ergänzt wird. Dabei beschränken sich die Informationen nicht nur auf San Francisco selbst und dehnen sich bis ins mittelkalifornische Umland aus. Der geschichtliche Abriss reicht bis in die prähistorische geologische Formation der Bucht zurück und behandelt die lokalen Indianerkulturen vor und nach der Ankunft der ersten Europäer. Außerdem findet der Spielleiter diverse Anreisemöglichkeiten für Charaktere, die nicht in San Francisco beheimatet sind. (Oder Abreisemöglichkeiten für Charaktere, die aus der Stadt verschwinden möchten oder müssen.) Eingefasst wird dieser Teil in Tabellen mit den wichtigsten geschichtlichen Daten von den ersten Indianern über die Gründung der Franziskanermission im 17. Jahrhundert bis zur Planung der Golden Gate Bridge im Jahre 1930.

 

Die Beschreibung der Stadt folgt einem bisher unüblichen, aber doch übersichtlichen und geordneten Schema. Die einzelnen Stadtteile werden dabei nur kurz umrissen und mit nur wenigen Örtlichkeiten und Persönlichkeiten illustriert. Anschließend ist der Quellenteil thematisch sortiert und reicht von Gesetz und Ordnung, Zeitungen, Bibliotheken und Universitäten über Hotels, Krankenhäuser und Kirchen bis zu Banken, Sehenswürdigkeiten und öffentlichen Verkehrsmitteln.

 

Ein separates Kapitel ist für Chinatown reserviert, einem pulsierenden Viertel mit ganz eigenen Gesetzen und Geheimnissen. Hier taucht man in eine orientalische Welt, in der Verbechen, Tradition, Opium und exotische Märkte miteinander in Wettstreit treten. Eine Kampagne in San Francisco ohne zumindest einen Exkurs durch Chinatown ist sicher nicht komplett und schlecht gewürzt.

 

Nach einem kurzen Kapitel über Erdbeben und Feuer, die die Stadt in den Jahren geformt haben, wendet sich der Band dem näheren und weiteren Umland zu. Obwohl dieser Teil durchaus umfangreich ist, sind die einzelnen Einträge recht willkürlich ausgesucht und verstreut um San Francisco herum. Dies ist besonders schade, da auf die wachsende Metroregion nicht sonderlich eingegangen wird.

 

Es folgt ein Kapitel über öffentliche und geheime Gesellschaften und fiktive Kulte, die hauptsächlich aus alten Cthulhu-Publikationen übernommen und aufbereitet wurden. Weiteres Leben wird der Stadt mit Legenden und Berühmheiten eingehaucht. Dieser Teil kann leidlich als Inspiration durchgehen und fällt sehr kurz aus. Abschließend gibt es noch ein paar Seiten über Erholungsmöglichkeiten, um den Charakteren ein wenig Ruhe (oder einen überraschenden Abenteuereinstieg) zu bieten.

 

Das erste der vier Abenteuer lässt die Charaktere auf einer Fährfahrt im Nebel der Bucht verloren gehen. Es handelt sich um ein kurzes Abenteuer, um eine neue Kampagne mit Schwung zu beginnen und bietet gute Ansatzpunkte, um die Charaktere in die chinesische Halbwelt abtauchen zu lassen. Das zweite Szenario ist bereits über zwanzig Jahre alt und eines der wenigen Cthulhu-Abenteuer, die keinen Mythoshintergrund haben. Es spielt vor den Toren der Stadt und hätte eine intensive Überarbeitung vertragen können, wäre aber auch damit kein besonderes Highlight. Die letzten beiden Abenteuer bauen stark auf den Quellenteil und halten interessante Konfrontationen für die Charaktere bereit. Teilweise scheint der Handlungsstrang sehr eng vorgegeben zu sein, aber unter Nutzung des gesamten Bandes sollte der Spielleiter einige überraschende Wendungen bereit halten können.

 

Die Präsentation von Secrets of San Francisco geht neue Weg in der Secrets-Reihe von Chaosium. Das ist nicht unbedingt schlecht, wenn man nicht an einigen Stellen Informationen vermissen würde. Der Quellenteil ist soweit möglich historisch recherchiert und wird von vielen Extrakästen durchzogen, die spielrelevantes Material und Szenariovorschläge enthalten. An einigen Stellen mag zu viel Wert auf Einbindung existierender Cthulhu-Publikationen gelegt worden sein, insbesondere Teile aus der Day of the Beast Kampagne (Bruderschaft des Tieres). Den dicksten Minuspunkt gibt es aber für das Fehlen einer vernünftigen Karte der Halbinsel, die man im Spiel benutzen könnte.

 

Wie auch schon bei Secrets of New York legt der Band seinen Schwerpunkt auf die Geheimnisse, auch wenn sie hier und dort eher schwer oder aufwändig zu recherchieren als wirklich geheim sind. Dieser Band steht in der jüngeren Veröffentlichungsreihe sicher am stärksten in Lovecraftscher Tradition – dies schließt den Quellenteil und die Abenteuer ein – und der Spielleiter sollte keine großen Probleme haben, einen Schatten klassischer Atmosphäre auf seine Kampagne fallen zu lassen.



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