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The Whisperer #5
Cthulhu engl. 29.11.03

von  Markus Kolbeck

Das britische Fanzine "The Whisperer" (TW) gibt es schon seit fünf Jahren und mit der #5 hat es mehr Umfang, mehr Inhalt und ein Farbcover. Dieses und mehr erfährt man im Editorial.

 

Weiter geht es gleich mit einem vierseitigen Kurzszenario namens "You in Your Small Corner" in der Jetztzeit. Darin kommt eine Frau in den Besitz eines Edelsteins, in den ein Hund von Tindalos gebannt ist. Die Frau forscht nach und fürchtet von dem Hund attackiert zu werden. Sie begibt sich in die Psychiatrie, wo sie in eine gepolsterte Zelle ohne Ecken kommt. Die Investigatoren werden auf den Plan gerufen. Ein nettes Szenario für Zwischendurch, jedoch ohne Happy End; was man bei einem "Cthulhu"-Abenteuer auch nicht unbedingt erwarten sollte. Mit "Save the Last Bullet for Yourself!" ist eine Reihe von Artikeln betitelt, die sich militärischen Einheiten widmen, wie sie einem in einem "Cthulhu"-Abenteuer begegnen können. Diesmal gibt es den zweiten Teil eines Berichts über die Französische Fremdenlegion, in der das Leben in der Legion geschildert wird, sowie Aufnahme, Strafen, Desertation, Bezahlung und Verträge. Außerdem werden Abenteuervorschläge und Anmerkungen zum Rollenspiel in der Fremdenlegion und zu den Waffen gemacht. Eine Liste mit den militärischen Rängen und ihrer britischen Entsprechung rundet den Artikel ab. Authentizität ist eines der Markenzeichen von "Cthulhu" und mit diesem Artikel kann man gut informiert die Fremdenlegion ins Spiel bringen.

 

"Invitation to Dance" ist ein achtseitiges Szenario und kann in den 20ern oder der Jetztzeit gespielt werden. Eine Hexe ist auf einem Friedhof beerdigt und wird in ihrem untoten Dasein durch Bannsäulen in Schach gehalten. Durch Straßenbauarbeiten wird eine der Bannsäulen entfernt und die Hexe schießt sich auf einen Toten ein, der schon zu beider Lebzeiten ihr Opfer war. Und zwar hat sie Sex mit ihm und "reitet" ihn durch die Luft. Das Szenario konzentriert sich also auf eine Begebenheit, die in vielen Hexenszenarios und -geschichten an den Rand gedrängt wird und kann zu süffisanten Situationen führen; dann nämlich, wenn einer der Ermittler Opfer der Hexe wird. "The Mandragora Project" ist ein Kampagnenvorschlag für "Delta Green", der in einer alternativen Realität spielt. Die Achsenmächte besitzen die Atombombe und haben den 2. Weltkrieg gewonnen. Amerika setzt Mythoskreaturen im Mandragora-Projekt gegen die Achsenmächte ein. Die Alternativwelt wird düster beschrieben und die Abenteurer dürften wohl keinen Gefallen daran finden, dass Mythoswissen gegen die Feinde Amerikas eingesetzt wird, auch wenn es den nationalen Interessen dient. Schön ambivalent also!

 

In der neuen Reihe "They Who Wait" werden die umweltbewussten "Children of Gaia" vorgestellt. An der Oberfläche sind Gaia-Kinder Ökoaktivisten, darunter findet man aber eine Gruppe von Ökoterroristen. Doch das ist nicht alles.

 

In "To Make Your Aquaintance: George Price" wird derselbe kurz vorgestellt, jedoch ohne scheinbar einen tieferen Sinn zu haben. "The Return of Doctor Moreau" ist ein 17-seitiges Abenteuer, angesiedelt in den 1920ern. Als Hintergrund dient dem Szenario das Geschehen, wie es sich in "The Island of Doctor Moreau" (dt.: "Die Insel des Doktor Moreau") darstellt. Dr. Moreau wurde wegen seines unethischen Verhaltens bei Tierexperimenten im viktorianischen Zeitalter gemieden. Er zieht sich auf die pazifische Insel Noble's Isle zurück, um dort aus Tieren durch Operationen Menschen zu machen oder zumindest Hybride; wie er hofft eine bessere Rasse als der Mensch. Er kommt schließlich um und wird dann von den Mi-Go in den 20ern wiederbelebt, die eine Art Cyborg aus ihm machen. Er glaubt, die Mi-Go wollen ihm helfen, eine bessere Rasse zu schaffen, doch dann durchschaut er den Wunsch der Außerirdischen nach einer Sklavenrasse. Die Mi-Go setzten eine Biologin namens McGrath auf das Projekt an und halten Dr. Moreau für Tod. Zu diesem Zeitpunkt stranden die Investigatoren auf der Insel.

 

"The Return of Doctor Moreau" ist ein wirklich gutes Abenteuer und der Höhepunkt des Magazins. Die Ermittler haben es nicht nur mit Dr. McGrath zu tun, deren Operationen bei vollem Bewusstsein nur als sadistisch zu bezeichnen sind, es geht auch eine Bedrohung von den Hybriden, halb Tier, halb Mensch, aus, vor allem dann, wenn die Abenteurer keine Schusswaffen auf die Insel haben retten können oder wenn ihnen die Munition ausgegangen ist. Ein Exkurs in die literarirische Geschichte, schön gruselig.

 

"Inside Out" ist eine Kurzgeschichte, die als Abenteueraufhänger für "Cthulhu" in der Jetztzeit und "Delta Green" dienen kann. Wieder informativ wird es mit "The Cryptography of Cthulhu", der verwertbare kryptographische Techniken vorstellt. Mit Hilfe des Artikels kann man seine Spieler an einem realen Code rätseln lassen.

 

In "Aquaintances and Abodes: The Tenement" wird ein Mietshaus samt Bewohnern und Grundriß vorgestellt. Wer die Wohnumgebung eines der Charaktere in die laufende Kampagne einbauen will, findet hier alles Wesentliche.

 

Der letzte Artikel, "Items of Mutual Interest", behandelt neun Rezensionen von überwiegend cthuloider Literatur. Darunter ist aber auch die Besprechung einer Geistertour in Cornwall.

 

Fazit: TW #5 bietet eine ganze Reihe an cthuloidem Material. Hervorzuheben ist, dass es gleich drei Szenarien gibt, davon ein längeres, die alle von guter Qualität sind. Am wenigsten konnte ich mit dem kleinen Artikel über George Price anfangen, den man sich wohl auch hätte sparen können. Gefallen finden auch die Farbumschlagseiten. Vom Inhalt her kann man TW #5 durchaus empfehlen, was aber stark negativ auffällt, ist der Preis von 8 Pfund für 64 Seiten. Zum Vergleich: "The Black Seal #2" hat 20 Seiten mehr und kostet 10 Euro, aber auch da ist die Schmerzgrenze eigentlich schon erreicht. TW #5 kann man für den Liebhaberpreis von 13 Euro inklusive Porto bei der Runequest Gesellschaft e. V. (www.tradetalk.de) bestellen.


The Whisperer #5
Magazin für Call of Cthulhu
64 S. A4, 13 Euro, Herbst 2003
Severn Valley Press
www.starrywisdom.co.uk


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